Chronik | Welt
04.10.2017

Amoklauf München: Hinweise auf rechtsextremes Motiv

Wie die Süddeutsche Zeitung berichtet, gehen Gutachter bei dem Attentat im Juli 2016 von einer politisch motivierten Tat aus.

Es ist bereits mehr als ein Jahr her, dass der 18-Jährige David S. bei einem Schnellrestaurant am Olympia-Einkaufszentrum in München neun Menschen erschoss. Der Amokläufer selbst tötete sich etwa zweieinhalb Stunden nach der Tat selbst. Nach Angaben der Ermittler war David S. in der Schule gemobbt worden und in psychiatrischer Behandlung. Offiziell sind seine Morde "ein Amoklauf, kein Anschlag", wie die Süddeutsche Zeitung schreibt.

Wie die Zeitung nun in ihrer aktuellen Ausgabe berichtet, widersprechen drei Gutachter aber dieser Behördensicht. Nach gemeinsamen Recherchen der SZ mit dem Westdeutschen Rundfunk ( WDR) sei der Amoklauf "als politisch rechts motiviert zu werten." Dabei spielen etwa sowohl die Opferwahl als auch der Tattag eine Rolle. Das Datum des Amoklaufs ist der Jahrestag des Attentats des Rechtsterroristen Breivik. Diesen sah David S. als Vorbild. Zudem habe er gewusst, dass am Olympia-Einkaufszentrum viele Menschen mit Migrationshintergrund anzutreffen seien.

Kritik an der Behördensicht

Sozialwissenschaftler Matthias Quent spricht in den Recherchen davon, dass die Behörden Vorurteile und Rassismus ausblenden würden. So heißt es von Quent, die Opfer "wurden nicht ermordet, weil möglicherweise ihnen ähnlich sehende Personen David S. gemobbt haben, sondern weil David S. einen pauschalisierenden Hass entwickelt hat auf alle Menschen mit aus seiner Sicht spezifischen Merkmalen."

Die Ermittlungsbehörden widersprechen dieser Ansicht, bleiben bei ihrer ursprünglichen Einstufung der Tat. Dass nur Menschen mit Migrationshintergrund zu Opfern wurden, soll demnach "dem persönlichen, aber verallgemeinerten Feindbild der ehemaligen Mobber geschuldet sein". Was Quent scharf kritisiert, da damit die Opfer geradezu für die Tat mitverantwortlich gemacht würden.

Ein ganzes "Motivbündel"

"Wie von Anfang an gesagt, lag ein ganzes Motivbündel vor, darunter auch eine von ihm aufgebaute krude pseudo-nationalsozialistische beziehungsweise rechtsradikale Gedankenwelt", sagte Oberstaatsanwältin Anne Leiding am Mittwoch.

"Natürlich war David S. rechtsextremistisch gesinnt, es wäre aber verfehlt, seine Motivation auf diesen Aspekt zu verkürzen." Auch die Anklagebehörde habe forensische Gutachter beauftragt, die sich intensiv und ergebnisoffen mit den Motiven auseinandergesetzt hätten. Diese hätten jedoch die Kränkung des 18-Jährigen durch langjähriges Mobbing im Vordergrund gesehen. Das vollständige, neue Gutachten soll am kommenden Freitag vorgestellt werden.