Kerzen am Zugang zur U-Bahnstation Olympia-Einkaufszentrum in München.

© APA/dpa/Karl-Josef Hildenbrand

Deutschland
08/17/2016

Amoklauf von München: Es hätte weitere Opfer geben können

Ermittlungen zufolge ist der 18-Jährige am Tatabend u.a. in ein Wohnhaus gegangen und hat dort im Treppenhaus mehrere Bewohner getroffen.

Der Amokschütze von München hätte nach den tödlichen Schüssen bei einem Einkaufszentrum weitere Menschen umbringen können. "Aber offensichtlich wollte er niemanden mehr töten", sagte ein Sprecher des bayerischen Landeskriminalamts (LKA) am Mittwoch.

Den Ermittlungen zufolge war der 18-Jährige am Tatabend unter anderem in ein Wohnhaus gegangen und hatte dort im Treppenhaus mehrere Bewohner getroffen. "Es hätte mehr Opfer geben können", sagte der Sprecher.

Doch der Schütze habe seine Waffe zu dem Zeitpunkt nicht mehr in der Hand gehabt. "Sonst hätten die Menschen die ja gesehen." Mit den Anrainern habe es eine "völlig normale Kommunikation" gegeben, sagte der Sprecher. Ein Bewohner des Hauses habe den 18-Jährigen sogar gefragt, ob er ihm helfen könne. "Die wussten gar nicht, wen die da vor sich haben", sagte der Sprecher. Der Täter habe keinen Bezug zu dem Wohnhaus. "Wahrscheinlich stand einfach nur die Tür offen."

Der 18-Jährige hatte am 22. Juli neun Menschen und sich selbst getötet. 36 Menschen wurden bei dem Amoklauf verletzt. Inzwischen ist den Angaben zufolge niemand von ihnen mehr im Krankenhaus.

Lange war unklar, was der Amokschütze in den rund zwei Stunden zwischen der eigentlichen Tat am Olympia-Einkaufszentrum und seinem Suizid gemacht hatte. Knapp vier Wochen nach dem Amoklauf haben die Ermittler den Weg nun weitgehend rekonstruieren können: Demnach suchte der Deutsch-Iraner nach seinen tödlichen Schüssen zunächst das Zwischengeschoß des Parkhauses am Einkaufszentrum auf und gab 17 Schüsse auf ein geparktes Auto ab. Danach sei er auf das obere Parkdeck gegangen, hatten die Ermittler am Dienstagabend mitgeteilt.
Dort lieferte sich der 18-Jährige ein Streitgespräch mit einem Anrainer. Danach hätten ihn zwei Polizeibeamte gesichtet. Einer habe einen Schuss auf den Amokläufer abgefeuert, diesen aber verfehlt.

Über eine Außentreppe des Parkhauses sei der Todesschütze dann wieder nach unten auf die Straße gelangt. Dort habe er eine Grünanlage betreten und sei dann in die nahe gelegene Henckystraße gegangen, wo er in das Treppenhaus des Wohnanwesens gelangte. Im Anschluss daran habe er sich offensichtlich "für längere Zeit" in der Tiefgarage des Hauses versteckt. Schließlich habe er diese über eine Außentreppe verlassen und "unmittelbar danach" mehrere Polizisten getroffen. Vor deren Augen habe er sich dann selbst getötet.

Mutmaßlicher Waffenhändler hatte mehr Material

Bei dem in Marburg gefassten Mann, der dem Amokschützen von München die Tatwaffe geliefert haben soll, sind noch weitere Waffen gefunden worden. Der 31-Jährige habe die Ermittler in einer ersten Vernehmung auf eine in Köln bei einer Verkehrsinsel vergrabene Kiste hingewiesen, sagte der Sprecher der Frankfurter Generalstaatsanwaltschaft, Alexander Badle, am Mittwoch in einer Pressekonferenz.

Darin seien eine Maschinenpistole, vier halbautomatische Pistolen und Munition gefunden worden. Die 31 Jahre alte Lebensgefährtin des mutmaßlichen Waffenhändlers ist inzwischen wieder auf freiem Fuß. Es habe keine konkreten Anhaltspunkte gegeben, dass sie in das Waffengeschäft eingebunden war.

Der illegale Handel mit scharfen Waffen verlagert sich nach Einschätzung der Ermittler zunehmend ins Internet. Die Täter glaubten, dort im Darknet anonym tätig sein zu können, sagte der Leitende Oberstaatsanwalt der Generalstaatsanwaltschaft Frankfurt, Günter Wittig. "Der Erfolg am heutigen Tag zeigt jedoch, dass es nicht so ist."

Der Amokläufer von München hat den Angaben zufolge für die Pistole der Marke Glock und Munition insgesamt 4.350 Euro gezahlt. Dies sei aus den Ermittlungen gegen den mutmaßlichen Waffenhändler hervorgegangen, der am Dienstag in Marburg gefasst worden war. Mit der Waffe hatte der 18-Jährige im Juli neun Menschen erschossen und sich selbst getötet.