Snowden konnte nicht zur Verleihung anreisen

© REUTERS/TT NEWS AGENCY

Right Livelihood Awards
12/01/2014

Alternativer Nobelpreis an Snowden

Der NSA-Aufdecker erhält seinen Right Livelihood Award in Abwesenheit.

In Stockholm sind Montagnachmittag die diesjährigen "Right Livelihood Awards" verliehen worden. Der frühere Mitarbeiter des US-Geheimdienstes NSA, Edward Snowden, der den Ehrenpreis gemeinsam mit dem Herausgeber der britischen Tageszeitung "The Guardian", Alan Rusbridger, bekommt, wurde während der Zeremonie im Schwedischen Reichstag via Live-Stream aus seinem russischen Exil zugeschaltet. Ursprünglich hatte die Right-Livelihood-Stiftung geplant, Snowden unter Zuhilfenahme von Juristen und Diplomaten die sichere Ausreise aus Russland zur persönlichen Abholung des Preises zu ermöglichen. Das erwies sich jedoch als unmöglich.

Die anderen Preisträger - die Menschenrechtsaktivisten Asma Jahangir aus Pakistan und Basil Fernando aus Hongkong, sowie der US-Umweltaktivist Bill Mc Kibben (siehe unten)- nahmen ihre Preise persönlich entgegen.

Snowden hatte bereits nach der Bekanntgabe der Preisverleihung im September in einer Videobotschaft gesagt: "Jeder Beitrag, den ich geleistet habe, ist das Ergebnis von den Bemühungen von so vielen anderen (...), die viel früher als ich gemerkt haben, was kommen würde und warum es so wichtig war, das zu stoppen." Rusbridger bedankte sich beim Eigentümer der Zeitung, dem auf die Gründungsfamilie der Zeitung zurückgehenden Scott Trust, der voll hinter der Redaktion gestanden sei, als die britische Regierung die Veröffentlichung der Snowden-Berichte mit aller Macht verhindern wollte. "Wie gut Regierungen auf die Herausforderungen reagiert haben, die uns Edward Snowden gestellt hat, ist ein Thema für eine andere Gelegenheit. Aber sicher ist, dass Politiker, wenn sie keine Lust haben, die Themen anzugehen, die Snowden aufgeworfen hat, das Recht verwirken, die Presse dafür zu kritisieren, dass sie Dinge tut, vor denen sie selbst zurückschrecken."

Schutz für Menschen

Jahangir konstatierte nüchtern: "Billionen Dollar werden für sogenannte Sicherheit ausgegeben - und trotzdem konnten unschuldige Mädchen in Nigeria nicht beschützt werden. (...) Sicherheitsorientierte Institutionen und Individuen - statt Menschen voller Ideen und Kreativität - bestimmen heute die globale Politik. Sicherheit und wirtschaftliche Interessen werden als wichtiger angesehen als Menschenrechte und nachhaltiger Frieden." Basil Fernando, langjähriger Direktor der asiatischen Menschenrechtskommission (AHRC) und Jurist: "Es sind nicht die in Büchern niedergeschriebenen Gesetze, die Menschen beschützen. Wir haben viele solche Gesetze, aber ihre Existenz verhinderte nicht die weitverbreitete Gesetzlosigkeit. Wirksamer Schutz erfordert und ist abhängig von funktionierenden Justiz-Institutionen, also einem funktionierenden System von Polizei, Strafverfolgung und Justiz." Der Preis werde helfen, die Botschaft weiter zu verbreiten.

McKibben, Mitbegründer und Vorstandsvorsitzender der Klimaorganisation "350.org", stellte in seiner Dankesrede zum Thema fossile Brennstoffe die Frage, "ob es sinnvoll ist, aus der jetzigen Situation den letzten Cent herauszuquetschen. (...) "Wir müssen einfach jene Kräfte besiegen, die den großen Wandel aufschieben wollen, um ein oder zwei Jahrzehnte mehr Profit machen zu können."

Der Right Livelihood Award (Preis für richtige Lebensführung) würdigt jedes Jahr Kämpfer für Menschenrechte, Umweltschutz und Frieden. Die gleichnamige Stockholmer Stiftung vergibt den Award unabhängig von den traditionellen Nobelpreisen. Die Jury wählte heuer aus 120 Kandidaten aus 53 Ländern aus.

Die Träger der Alternativen Nobelpreise 2014

Edward Snowden (USA) und "Guardian"-Chefredakteur Alan Rusbridger:

Mit ihren Enthüllungen zu den Praktiken des US-amerikanischen Geheimdienstes NSA haben Snowden und Rusbridger nach Einschätzung der Stiftungsjury mutig zivilen Ungehorsam bewiesen, indem sie staatliche "illegale Massenüberwachung" publik machten. Die Weitergabe der geheimen Dokumente an Journalisten hatte den jungen Computerspezialisten Snowden 2013 weltweit bekannt gemacht. Als externer Mitarbeiter der NSA hatte Snowden Zugriff auf viele Dokumente - und kopierte Tausende Unterlagen. Die US-Regierung sieht Snowden, der sich im Zwangsexil in Russland aufhält, seither als Abtrünnigen und sucht ihn wegen Geheimnisverrats. Rusbridger ist Chefredakteur der britischen Zeitung "Guardian", die Snowdens Informationen veröffentlicht hatte.

Asma Jahangir (Pakistan):

Jahangir ist für die Jury "Pakistans führende Menschenrechtsanwältin". 1986 gründete sie den Angaben zufolge in ihrer Heimat das erste Zentrum für Rechtshilfe und nimmt sich seitdem immer wieder komplizierter Fälle an. Mit ihrer Arbeit habe sie die Schwächsten der Gesellschaft verteidigt - Kinder, arme Menschen und Angehörige religiöser Minderheiten. Obwohl sie bedroht und unter Hausarrest gestellt worden sei, habe sie stets gegen die Benachteiligung von Frauen gekämpft. Zwischen 1998 und 2004 war Jahangir UNO-Sonderberichterstatterin für Religions- und Glaubensfreiheit. 2010 wurde sie als erste Frau zur Präsidentin der Anwaltskammer beim Obersten Gerichtshof von Pakistan gewählt.

Basil Fernando (China):

Als Verteidiger der Menschenrechte in Asien ehrt die Stiftung den 69-jährigen Basil Fernando. In Sri Lanka geboren, studierte Fernando Jura. Sein Aufbegehren gegen die Korruption im Rechtssystem seiner Heimat führte den Angaben zufolge dazu, dass er auf eine "Todesliste" gesetzt wurde und nach Hongkong fliehen musste. 1994 wurde Fernando Direktor der asiatischen Menschenrechtskommission (AHRC) - und blieb fast zwei Jahrzehnte an deren Spitze. Unter seiner Führung dokumentierte die AHRC Menschenrechtsverletzungen, bildete Anwälte und Aktivisten an ihrer Schule für Menschenrechte weiter und entwickelte "eines der weltweit fortschrittlichsten (...) Eilbeschwerde-Systeme", wie die Stiftung schreibt.

Bill McKibben (USA):

Den 53-jährigen US-Amerikaner beschreibt die Stiftung als "einen der führenden Umweltaktivisten der Welt". Der Harvard-Absolvent sei mit seinem 1989 erschienenen Bestseller "The End of Nature" einer der Ersten gewesen, die eine breite Öffentlichkeit über den Klimawandel informiert hätten. McKibben ist Mitbegründer und Vorstandsvorsitzender der Klimaorganisation "350.org", die etwa vor der Kopenhagener Klimakonferenz 2009 Demonstrationen in 181 Ländern koordiniert habe. Gemeinsam mit Partnern habe "350.org" aktuell auch die weltweiten Klimamärsche vor dem UN-Klimagipfel in New York organisiert. McKibben halte Ehrendoktorwürden von 18 Universitäten.

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