Chronik | Welt
06.03.2013

Afrikaner als Papst oder doch Bono von U2?

Die Buchmacher haben Hochsaison – und führen einen Ghanaer und einen Italiener als Favoriten für das Papstamt. Kardinal Schönborn ist mit einer Quote von 14:1 gut im Rennen, Rockbarde Bono mit 1000:1 krasser Außenseiter.

Die Geldliebe soll ja die Wurzel allen Übels sein, so steht es in der Bibel. Das hält Buchmacher in Großbritannien und Irland aber nicht davon ab, im großen Stil Wetten auf den nächsten Papst anzunehmen. Favorit ist den Quoten zufolge derzeit der afrikanische Kardinal Peter Turkson. Wer bei „Paddy Power“ zwei Euro auf den Mann aus Ghana setzt, bekommt im Erfolgsfall fünf Euro und seinen Einsatz zurück. Turkson liegt vor dem Italiener Angelo Scola. Wer auf diesen setzt, bekommt sieben Euro für zwei. Beim Anbieter „William Hill“ sind die beiden ebenfalls die Favoriten. Österreichs Kardinal Christoph Schönborn ist mit einer Quoten von 14:1 bzw. 20:1 unter den Top-Ten.

„Die Papst-Wahl ist unser mit Abstand größtes Wett-Ereignis des Jahres abseits von Sportwetten“, sagt Claire Davis, Sprecherin von „Paddy Power“. Sie geht davon aus, dass bis zur Wahl des neuen Kirchenoberhauptes sieben Millionen Euro eingesetzt werden.

Auf der Wett-Liste möglicher Benedikt-Nachfolger finden sich auch Überraschungen, etwa U2-Sänger Bono (Quote 1000:1) und der prominente Atheist Richard Dawkins (666:1). Auf Bono hätten schon fünf Personen gesetzt, heißt es bei „Paddy Power“.

Wett-Experten meinen, dass es schwierig sei, die Papstwahl einzuschätzen. Im Gegensatz zu politischen Wahlen wählt nur eine kleine Gruppe von Menschen, die wenig Informationen nach außen lässt. Bei der letzten Papst-Wahl waren die Quoten ein guter Indikator: Josef Ratzinger war vor seiner Wahl unter den drei aussichtsreichsten Kandidaten bei den Wettanbietern. „Die Quoten sind die beste Richtschnur, die wir uns denken können“, meint Vaughan Williams, Professor an der Nottingham Business School.

Wetten auch auf neuen Papst-Namen

Paddy Power“ nimmt auch Wetten darauf an, wie sich der neue Papst nennen wird. Hier führt „Petrus“ mit einer Quote von 1:1, gefolgt von „Pius“ (9:2) und „Johannes Paul“ (5:1). Welches Land wird der neue Papst als erstes bereisen? Laut Wettquoten werden es am ehesten die Philippinen sein (6:1), sie liegen vor Brasilien und Ghana.

Der Vatikan hat sich zum Papst-Wettfieber bisher nicht geäußert. Im März 1591 aber hatte Papst Gregor XIV. noch jedem mit Exkommunikation gedroht, der auf das Wahlergebnis oder die Länge der Wahl spekulierte.

Wetten wie jene auf den neuen Papst sind im glücksspielbegeisterten englischsprachigen Raum schon lange sehr beliebt. Hier wird auf so ziemlich auf alles gewettet, was die Menschen bewegt: Welche Haarfarbe hat das Baby von William und Kate? Tritt die Queen zurück? Fällt Barack Obama in dieser Amtszeit einem Attentat zum Opfer?

Experte rechnet mit kurzem Konklave

Mit der Bekanntgabe des Konklave-Termins lässt man sich im Vatikan Zeit. „Die Kardinäle wollen sich genau vorbereiten und nichts übereilen“, sagte Vatikansprecher Pater Federico Lombardi. Heute wird auch der letzte noch fehlende Purpurträger der 115 wahlberechtigten Kardinäle in Rom erwartet. Bei der gestrigen, vierten Kardinalskongregation in der Audienzhalle „Sala Nervi“ seit Beginn der Sedisvakanz (Leerer Stuhl Petri) berieten die Würdenträger über das Profil des künftigen Pontifex. „Viele Kardinäle wollen vier bis fünf Personen, die als Papst in Frage kommen, vor Eintritt in die Sixtinische Kapelle identifiziert haben“, so Vatikan-Experte John Thavis zum KURIER. So könnte die Papstwahl kurz, maximal ein paar Tage, dauern.

Franca Giansoldati, „Vaticanista“ des Il Messaggero, vermutet einen Machtkampf zwischen Vertretern der italienischen Kurie und des „deutsch-amerikanischen Kardinalsblocks“. Die Italiener möchten sehr bald ins „Blitz-Konklave“ starten und hätten nach 35 Jahren am liebsten wieder einen „Einheimischen“ an der Kirchenspitze. „Ein Papst wird im Konklave gewählt und nicht vorher“, betonte ein italienischer Purpurträger. Vatikan-Insider rechnen mit einem neuen Papst bis spätestens Palmsonntag (24.März).

Ein 40-köpfiges Team bereitet bis ins kleinste Detail für die Papstwahl alles so vor, wie es eine tausendjährige Tradition vorgibt. Auch die beiden Öfen, in denen die Stimmzettel verbrannt werden und aus denen der Rauch aufsteigen wird, wurden bereits geliefert. Der antike Boden der Sixtinischen Kapelle wird mit provisorischen Bodenplatten geschützt. Während des Konklaves nächtigen die Kardinäle im vatikanischen Gästehaus Santa Marta. Die Residenz mit modernen Räumlichkeiten, in denen TV, Radios und Telefone fehlen, liegt fünfzehn Gehminuten von der Sixtinischen Kapelle entfernt.

Die Kardinäle kommen aus 50 verschiedenen Ländern. Der jüngste Wahlberechtigte ist der Inder Cleemis Thottunkal (54), der älteste ist der deutsche Walter Kasper (79).