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Analyse
10/05/2020

Papst Franziskus misstraut der Marktwirtschaft

Anmerkungen zur Enzyklika „Fratelli tutti“: Im Wesentlichen nichts Neues: Die Größe des Menschen und seine Abgründe.

von Rudolf Mitlöhner

Was Papst Franziskus in seiner aktuellen Enzyklika „Fratelli tutti“ schreibt, ist im Wesentlichen nicht neu. Zum einen speist es sich aus dem, was die Kirche seit jeher über den Menschen und seine Welt „weiß“ und in die jeweilige Zeit hinein verkündet. Fromm ausgedrückt geht es letztlich um Berufung zur Heiligkeit bei bleibender Erlösungsbedürftigkeit – also um die Größe des Menschen und seine Abgründe.

Die Akzente, die Franziskus darüber hinaus setzt, sind ebenfalls bekannt: sein Blick auf die „Ränder“, seine Positionen zu Fragen globaler Gerechtigkeit und Migration und zum Schutz der Umwelt. In „Fratelli tutti“ finden sich seine diesbezüglichen Gedanken noch einmal gebündelt.

Hier kommt insbesondere einmal mehr die extrem globalisierungskritische und antimarktwirtschaftliche Haltung dieses Papstes zum Vorschein. Wobei es das, was Franziskus offenbar für eine der größten Geißeln der Menschheit hält, so ohnedies nicht gibt.

So gut wie niemand glaube heute noch, dass der Markt alle Probleme lösen könne, meint der Chef des renommierten Münchner Wirtschaftsforschungsinstituts Ifo, Clemens Fuest, gegenüber der deutschen KNA. „Es gibt kein Land auf der Welt, in dem eine ungeregelte Marktwirtschaft ohne staatliche Einflüsse existiert. Klar ist gleichzeitig, dass es kein Land gibt, in dem Wohlstand, Naturschutz und Humanität ohne Marktwirtschaft gedeihen“, so Fuest.

Letztere Einsicht fehlt freilich ganz generell der derzeit vorherrschenden Lesart der Katholischen Soziallehre – die nun freilich als quasi lehramtlich sanktioniert gelten darf.

Ähnlich ratlos bleibt man auch zurück, wenn der Papst im Zusammenhang mit der Migrationsthematik von der „Pflicht“ spricht, „das Recht eines jeden Menschen zu respektieren, einen Ort zu finden, an dem er […] sich auch als Person voll verwirklichen kann“. Zu Ende gedacht, macht das jedwede Migrationspolitik obsolet.

Der „barmherzige Samariter“ taugt nicht als Grundlage für Migrations- oder Sozialpolitik, sondern erzählt von einer individuellen Hilfeleistung in einer konkreten Situation. „Geh und handle genauso!“ heißt es da – und nicht: „… und verpflichte die Allgemeinheit so zu handeln“.

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