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Chronik Welt
11/17/2020

Juwelenraub: Die Familie, die hinter dem spektakulären Einbruch stecken soll

Großeinsatz in Berlin Neukölln. Juwelenraub im Grünen Gewölbe von Dresden vor Aufklärung.

von Susanne Bobek

Über SIM-Karten und DNA-Spuren, die nach einer neuen Methode aus einem verkohlten Fluchtfahrzeug destilliert werden konnten, fand man fünf Tatverdächtige für den Kunstdiebstahl im Dresdner Grünen Gewölbe.

Am Dienstag durchsuchten 1.638 Polizisten in Berlin Neukölln 19 Wohnungen und Garagen. Drei Männer sind in Haft, zwei 21-Jährige auf der Flucht.

Großfamilie im Visier

Die Spur führt zur arabischen Großfamilie Remmo mit etwa 500 Mitgliedern, von denen viele im Visier der Ermittler stehen.

Im Februar wurden zwei Clanmitglieder wegen des Diebstahls einer millionenschweren Goldmünze aus dem Berliner Bode Museum nach dem Jugendstrafrecht nicht rechtskräftig verurteilt. Die jungen Männer stehen im Verdacht, auch im Grünen Gewölbe dabei gewesen zu sein. Sie waren ja auf freiem Fuß.

Der mutmaßliche Clanchef Issa Remmo, 53, (Bild oben) wäscht seine Hände, wie immer, in Unschuld. Erst vor wenigen Monaten musste eine Bagatelle-Verurteilung gegen ihn aufgehoben werden.

Der zwölffache Vater, der nach eigenen Angaben „im Bereich einer Autofirma“ angestellt ist, musste 750 Euro Strafe wegen Beamtenbeleidigung nicht bezahlen. Remmo konnte der Richterin glaubhaft machen, dass er nicht den Polizisten bei einer Verkehrskontrolle beleidigt hatte, sondern seinen 31-jährigen Sohn.

Zwei Großfamilien beherrschen die Berliner Unterwelt:  Abou-C. und Remmo

Juwelendiebstahl Dresden

Die Remmos stehen im Verdacht, den Juwelendiebstahl aus dem Grünen Gewölbe in Dresden im November 2019   begangen und  Colliers im Darknet angeboten zu haben

Golddiebstahl in  Museum

Remmo-Leute wurden verurteilt, eine 100-Kilo-Münze 2016 gestohlen und eingeschmolzen zu haben

 

Anatolien - Libanon - Berlin

Die Familie zählt zur arabischen Volksgruppe der Mhallami und stammt ursprünglich aus der Provinz Mardin im heutigen Südostanatolien, nahe der Grenze zu Syrien. Von dort wanderten die Remmos nach dem Ende des Ersten Weltkriegs in den Libanon aus, wo sie jedoch nur als Staatenlose geduldet waren. Während des libanesischen Bürgerkrieges migrierten Teile der Familie in den 1980er-Jahren nach Deutschland und bauten ihr Imperium in Berlin auf.

Mit ihren Verbindungen in den Libanon konnte die Familie ihr Vermögen aus Drogengeschäften, Schutzgelderpressung, Raub, Diebstahl und Hehlerei lange Zeit weißwaschen, da meistens eine libanesische Tante offizielle Eigentümerin der vielen Liegenschaften in Berlin war und niemand danach fragte, womit der große Besitz verdient worden war. Erst 2018 wurden 77 Liegenschaften der Remmos beschlagnahmt. Wie der Berliner Konkurrenzclan Abou C. mischen die Remmos auch im Musikgeschäft mit und vermarkten Rapper.

Schmuck für Bitcoins

Zwei Brillantcolliers aus dem Grünen Gewölbe waren für neun Millionen Euro, zahlbar in Bitcoins, in Israel zum Verkauf angeboten worden. Das hat die israelische Sicherheitsfirma CGI, die mit Ermittlungen zu dem Fall beauftragt ist, Anfang 2020 öffentlich gemacht. Die Firma hatte das Angebot über das Darknet erhalten. Die Fahnder glauben, dass die Steine nun einzeln verkauft werden. Was die Rückverfolgung ungleich schwerer macht und den Schatz von August dem Starken (1670–1733) für immer zerstört.

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