Chronik
12.12.2017

Vorwurf: Überdosis nach Mobbing in Schule

13-Jährige soll zu viele Tabletten zu sich genommen haben. Landesschulrat prüft Vorfall an der NMS.

Gehänselt, bloßgestellt, ausgegrenzt – fast die Hälfte aller österreichischen Schüler ist laut einer Befragung der Notrufeinrichtung "147 Rat auf Draht" und des SOS Kinderdorfs aus dem Jahr 2015 von Mobbing betroffen. Ein Fall von Schikane soll vergangene Woche in Kärnten den Selbstmordversuch einer 13-Jährigen zur Folge gehabt haben.

Das Mädchen besucht eine NMS in Mittelkärnten. Laut Auskunft der Mutter wurde die 13-Jährige eineinhalb Monate lang von einem Mitschüler aus der Nebenklasse verbal attackiert. "Das Mobbing war so massiv, dass meine Tochter am Dienstag (6. Dezember, Anm.) eine Überdosis Tabletten genommen hat und auf die Intensivstation kam", erzählt die Erziehungsberechtigte.

Gespräche mit der Klassenlehrerin des Mitschülers und der Direktorin hätten nichts gebracht. "Jemanden, der sowieso leicht aus der Fassung zu bringen ist, bis aus Blut zu sekkieren und als fette Sau zu beschimpfen, ist laut Aussage der Klassenlehrerin des Mobbers kein Mobbing", fügt die Mutter hinzu. Ihre Tochter sei wohlauf, besuchte am Montag wieder die Schule.

Auf KURIER-Nachfrage prüft der Landesschulrat nun die schwerwiegenden Vorwürfe. "Jede Form des Mobbings ist natürlich nicht tolerierbar. Wir werden den Fall in Kooperation mit der Schulpsychologie aufarbeiten. Der Beschuldigte wird befragt, die Eltern werden bei der Klärung der Hintergründe eingebunden", erklärt Kärntens Landesschulratspräsident Rudolf Altersberger.

Was raten Psychologen Schülern, die Mobbing ausgesetzt sind? Anonyme und kostenlose 24-Stunden-Beratung bieten Hotlines wie Rat auf Draht (147), die Telefonseelsorge (142), oder die Helping Handy Hotline (0800/240268). "Die Betroffenen sollten stets Eltern, Klassenlehrer, die Schul-Direktion und die Schulpsychologie informieren. Es ist wichtig, sofort zu handeln.

Jede Form des Mobbing ist etwas Ernstes", sagt Ina Tremschnig (Bild), Leiterin der Schulpsychologie des Landesschulrats Kärnten. Von Amts wegen würden, falls erwünscht, die Kontakte mit den Schulen hergestellt und die Probleme mit allen Beteiligten analysiert. Tremschnig: "Nicht selten waren Täter vorher selbst Opfer und oft muss man außerschulische Einflüsse in die Aufarbeitung des Mobbing-Falls einbeziehen."