Chronik
08.05.2017

Vorwurf gegen Turkish Airlines: Kein Handschlag für weibliche Mitarbeiter

Gekündigte Angestellte fühlt sich diskriminiert. Fluglinie bestreitet die Vorwürfe.

Der Österreich-Ableger der Fluglinie Turkish Airlines ist aktuell nicht nur am Arbeitsgericht gefragt. Auch die Gleichbehandlungsanwaltschaft hat Fragen an das Unternehmen. Konkret geht es um den Fall von Frau M. Die Slowakin, die speziell für die Kooperationen mit slowakischen Reisebüros zuständig war, wurde gekündigt. Aus "politischen Gründen", wie sie vermutet.

Vor der Gleichbehandlungsanwaltschaft erhebt sie schwere Vorwürfe: So hätte man ihr zum Beispiel nicht die Hand geschüttelt – weil sie eine Frau ist. Turkish-Airlines-Anwalt Mehmet Saim Akagündüz sagt dazu: "Das ist so weit hergeholt und tut nichts zur Sache. Dass es jedermann freisteht, einem die Hand zu schütteln oder nicht, müsste Frau M. doch bekannt sein. Sie müsste es doch tolerieren und auch akzeptieren, dass kein Mann dazu verpflichtet ist, ihr die Hand zu geben."

Getrennte Tische

Frau M. bekrittelte auch, dass bei Firmenveranstaltungen Männer und Frauen an getrennten Tischen saßen. "Lächerlich", nennt das der Anwalt. Der Grund für die Kündigung sei keine Diskriminierung gewesen, sondern die "Zerrüttung des Vertrauensverhältnisses". Frau M. ist nur eine von 17 Mitarbeitern, die in jüngster Zeit die Turkish Airlines verlassen hat.

Insgesamt arbeiten an den Österreich-Standorten 22 Mitarbeiter. Die "Neuen" sollen allesamt ins Konzept von Turkish Airlines und dem türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdoğan passen, behauptet Burcin Y. – er war selbst 20 Jahre bei der Fluglinie und führt aktuell einen Prozess am Arbeitsgericht. Das bestätigt auch Frau M. Alle neu angestellten Kollegen seien türkischstämmige Männer, die das Freitagsgebet besuchen.

Zur Personalpolitik der Österreich-Filiale der Turkish Airlines meint der Anwalt: "Es handelt sich um ein türkisches Unternehmen. Daher versteht es sich von selbst, dass auch türkisches Personal eingestellt wird." Auch Rudolf Leban ist gegangen. Nicht freiwillig. "Ich war 16 Jahre dort, war Marketing-Manager. Und plötzlich sollte ich andere Jobs machen, bekam eine Änderungskündigung", erzählt er. Er fühlte sich gemobbt und ging zum Arbeitsgericht. "Aber nach einem Jahr Prozessdauer konnte ich nicht mehr", sagt Leban. Man einigte sich mit einem Vergleich.

Einer, der das Verfahren durchkämpfen will, ist Burcin Y. Wie berichtet, wurde er am Tag nach dem Militärputsch in der Türkei gekündigt. Er hätte am Putschabend versucht, eine Maschine beim Abflug aus Schwechat zu stoppen und die "Piloten in Stress versetzt". "Das kann ich gar nicht", erklärt er und sieht darin einen Kündigungsvorwand. Der Prozess läuft.