Chronik
01.06.2017

Vereinswesen soll entrümpelt werden

Von leichterer Gründung bis zu Steuervorteilen: Das Ehrenamt soll zukunftsfit werden.

Vereinsmeierei liegt den Österreichern im Blut. Landesweit gibt es mehr als 122.000 Vereine. Doch es rumort bei den engagierten Bürgern. Bürokratie und gesetzliche Regelungen erschweren die Arbeit der Ehrenamtlichen. "Das sind Hindernisse, die wir abbauen müssen. Wir wollen ja das Ehrenamt stärken", sagt Umweltminister Andrä Rupprechter.

Bei einer heute stattfindenden Enquete, die er gemeinsam mit Innenminister Wolfgang Sobotka, Justizminister Wolfgang Brandstetter, Finanzminister Hans Jörg Schelling sowie Familienministerin Sophie Karmasin ins Leben gerufen hat, wird nun über Bürokratieabbau für Vereine diskutiert. Neben Haftungsfragen geht es um steuer- sowie verwaltungsrechtliche Aspekte sowie Förderungen. Die Ergebnisse sollen in Rupprechters Masterplan zur Entwicklung des ländlichen Raums sowie in das Arbeitsprogramm der neuen Regierung einfließen.

Die Leistungen der Vereine sind enorm. Laut einer Studie des MCI Management Center Innsbruck im Auftrag des Vereins Tiroler Zeltfestkultur leisten alleine in Tirol ehrenamtliche Vereinsfunktionäre einen Nettowert an Arbeitsstunden von mehr als 213 Millionen Euro. Das entspricht rund 1,3 Milliarden Euro, die ein (fiktiver) Arbeitgeber für diese Leistung bezahlen müsste. Hochgerechnet kommt man auf 13 Milliarden Euro für ganz Österreich. Viele Leistungen, etwa im Sport bei der Jugendförderung oder im musikalischen Bereich, wären ohne Vereine nicht finanzierbar.

Ehrenamtsbörse

Daher sieht Rupprechter nun die Politik in der Pflicht. So könnte es notwendig sein, Gesetze zu entrümpeln und Regelungen abzuschaffen, "die, die Arbeit der Freiwilligen behindern". Auch steuerliche Vorteile für ehrenamtliches Engagement gehörten in die Überlegungen zur Stärkung der Vereine eingebunden. "Und wir wollen – das kommt aus dem Themenbereich des Masterplans – eine regionale Ehrenamtsbörse aufbauen zur besseren Vernetzung der Vereine", erklärt Rupprechter. Generell sollen die Ehrenamtlichen mehr serviciert werden. "Man sollte Angebote schaffen, mit denen sich Interessierte einfach online oder über einen Ansprechpartner auf der Gemeinde über Vereinsgründungen informieren können und diese möglicherweise gleich online erledigt wird."

Viele Möglichkeiten der Unterstützung gibt es laut Rupprechter bereits. Hier brauche es mehr Informationstätigkeit – etwa zum Thema Funktionärshaftung oder zu den Ausnahmebestimmungen bei der Registrierkasse. Auch viele Fördermittel stünden bereit. So will Rupprechter nicht nur die Vereinsinfrastruktur besser unterstützen, sondern vor allem Bildungs- und Kindergarteneinrichtungen, die in kleinen Gemeinden von Vereinen organisiert werden. Hier stünden Mittel aus dem mit 175 Millionen Euro dotierten "Kommunalen Investitionsprogramm" zur Verfügung. Auch um EU-Mittel bemühe man sich derzeit. Dazu kommen Projekte, die auf Nachhaltigkeit oder der Entwicklung des ländlichen Raums basieren und von Rupprechters Ressort gefördert werden. Hier sollen die Budgetmittel aufgestockt werden. "Ich glaube mit Fördermitteln sind wir ganz gut ausgestattet", meint der Minister. Es gehe aber auch darum, die Mittel abzuholen.

"Wichtiger Ansatz"

Bei den Vereinen selbst kommen Rupprechters Vorschläge gut an. "Die Entbürokratisierung ist ein ganz wichtiger Ansatz", sagt Maria Forstner, Obfrau des Vereins "NÖ Dorf- und Stadterneuerung" und seit 45 Jahren "Vereinsmeierin", wie sie sich selbst bezeichnet. In vielen Vereinen sei es immer schwieriger, den Vorstand zu besetzen. Der Aufwand, als Funktionär tätig zu sein, sei vielen zu hoch. Auch das Image der Vereine zu verbessern, sei wichtig. Das habe im Zuge der Diskussion um die Vereinsfeste gelitten. Für das Ehrenamt bricht sie eine Lanze: "Ich kann es nur jedem empfehlen."