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Chronik
05/23/2013

Tatort-Ermittler im Gemeindebau

Fachleute nehmen Wohnungen auseinander, um nicht erbrachte Leistungen aufzudecken

„Wie die Tatort-Ermittler“, sollen Fachleute aufklären, welcher Schaden Wiener Wohnen durch fingierte Leistungen entstanden ist. Wie berichtet, geriet ein undurchsichtiges Firmengeflecht rund um einen großen Maler-Betrieb ins Visier der Justiz. Der Vorwurf: Die Unternehmen sollen diverse Aufträge in Wiener Gemeindebauten nicht der Ausschreibung entsprechend durchgeführt haben. Bezahlt wurden die gar nicht oder nur mangelhaft erbrachten Arbeiten trotzdem. Die Wirtschafts- und Korruptionsstaatsanwaltschaft ermittelt.

Externe Experten

Bei Wiener Wohnen reagiert man parallel zu den Erhebungen der Justiz mit zwei Maßnahmen. Erstens: ein Aufklärungsteam aus externen, gerichtlich beeideten Sachverständigen wird fünf Wohnungen, an denen die verdächtigen Firmen gearbeitet haben, auseinandernehmen. Die Böden werden aufgerissen, die Wandmalereien abgeschabt – und auch andere Gewerke, wie Installationen, Bodenleger- oder Maurerarbeiten werden genau unter die Lupe genommen. So will man nachweisen, ob alle vereinbarten Leistungen erbracht wurden.

Wie hoch die Schadenshöhe ist, kann bis dato nämlich niemand sagen. Wohnbau-Stadtrat Michael Ludwig versichert allerdings, „dass kein Mieter zu Schaden gekommen ist.“ Der Schaden sei nur dem Unternehmen Wiener Wohnen entstanden.
Dessen stellvertretende Direktorin, Karin Ramser, erklärt: „Die Mängel sind nicht so substanziell, dass die Lebensqualität der Mieter beeinträchtigt ist. Ein Beispiel: Statt – wie in der Ausschreibung vereinbart – drei Mal, wurde eine Wand nur zwei Mal gestrichen und nicht mit der Farbe, die unsere Qualitätsansprüche erfüllt.“

Im Falle einer Verurteilung der verdächtigen Unternehmer werde sich Wiener Wohnen „an den Verantwortlichen schad- und klaglos halten“, sagt Ludwig.

Neuerung Nummer zwei ist ein Team zur Qualitätskontrolle, das ab Juli die Arbeit aufnimmt. 51 Fachleute sollen es Firmen erschweren, nicht die vereinbarten Leistungen zu erbringen. Sei es bei der Instandsetzung und Neukategorisierung von Leerwohnungen, beim Gebrechensmanagement sowie bei Arbeiten im Bereich der Sanierung. 500 bis 700 Baustellen soll das Team pro Jahr kontrollieren.

Anonyme Anzeigen

Im Zuge der Vergabe-Affäre wurden auch gegen zwei Mitarbeiter von Wiener Wohnen anonyme Anzeigen erstattet. Beide sind noch im Dienst, weil gegen sie bis dato keine Beweise vorliegen. Ermittlungen sind im Gange.

Und auch die verdächtigen Firmen arbeiten noch immer im Auftrag der Stadt. Ohne Beweise bzw. Verurteilung sei man als öffentlicher Arbeitgeber ans Vergabegesetz gebunden, erläutert Ramser.