Paulus Manker mit "seiner" Lok

© KURIER/Gerhard Deutsch

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11/06/2015

Staatsanwalt ermittelt gegen Manker

Enormer Schaden bei Irrfahrt mit Eisenbahn am Aufführungsort von "Alma" in Wiener Neustadt.

von Patrick Wammerl

Nach dem Zerwürfnis mit seinem Gönner kam der Rauswurf aus seiner Produktionsstätte, danach folgte der Privatkonkurs. Seit dieser Woche interessieren sich zu allem Überfluss auch Staatsanwalt und Kriminalpolizei für das Enfant terrible der heimischen Kulturszene. Paulus Manker steht im Verdacht, am Schauplatz seines Theaterstücks "Alma" in den Raxwerken in Wiener Neustadt ein Schauspiel der ganz besonderen Art abgehalten zu haben. Bei einer Amokfahrt mit einer Eisenbahn in der früheren Rüstungshalle wurde am Wochenende ein ungeheurer Schaden angerichtet. Die Lok hat Wände durchbrochen und mehrere Tonnen Spezial-Kunststoff einer eingemieteten Firma zerstört. Danach krachte die Lok durch ein Hallentor und sprang aus den Gleisen.

Geschichtsträchiger Boden

Die Serbenhalle der Raxwerke ist geschichtsträchiger Boden. Die Nazis versuchten im 2. Weltkrieg, ihre "V2-Raketen" in der 300 Meter langen, 70 Meter breiten und 30 Meter hohen Halle herzustellen. In einem Teil ist mit der Firma "Sabic" ein internationaler Hersteller von Kunststoffplatten eingemietet. 2014 stellte Eigentümer und Kunst-Mäzen Christian Blazek einen anderen Teil des Raxwerks Paulus Manker für die Inszenierung seiner Alma kostenlos zur Verfügung. Der Regisseur verscherzte es sich allerdings mit seinem Gönner, als dieser eine Besitzstörungsklage gegen Blazek bei Gericht einbrachte. Weil die Kunststofffirma kurzfristig mehr Lagerplatz benötigte, wurden Tische von Manker in eine Nachbarhalle gebracht. Der Gerichtsstreit endete mit einem Vergleich.

Nachdem Alma im heurigen Sommer noch in der Halle aufgeführt wurde, beantragte Blazek die Räumung – bisher ohne Erfolg. Zu Blazeks Ärger verwendet Manker weiterhin die Räume. "Meine Gedanken waren sehr positiv. Es sollte in Niederösterreich etwas Kulturelles passieren. Wir hatten aber schon mehrere Vorfälle mit Herrn Manker. Das ist jetzt nicht mehr lustig", will Blazek sich die "Eskapaden" nicht länger gefallen lassen.

Am vergangenen Wochenende kam es zum endgültigen Eklat. Als die Verantwortlichen der Firma Sabic Montagfrüh die Halle aufsperrten, glaubten sie, ihren Augen nicht zu trauen.

"Es war ein Bild der Verwüstung", schildert ein Mitarbeiter. Den Spuren nach zu schließen hatte jemand mit der Rangierlok, die auch bei der Aufführung von Alma zum Einsatz kam, eine Amokfahrt in der Halle hingelegt. Die Lok donnerte durch Wände und touchierte einen Stapel mit acht Tonnen Kunststoffplatten, die zur Auslieferung hergerichtet waren. Die Firma kann den Schaden noch nicht beziffern. "Er ist enorm, weil wir jetzt einen Produktionsengpass haben", so ein Verantwortlicher.

Einvernahme

Der Regisseur habe sich bei der geschädigten Firma gemeldet und lediglich von einem "Hoppala" gesprochen. Er wolle vorbeikommen, um die Sache zu klären.

Das wird er sich ersparen können, denn die Kriminalpolizei wird dem Regisseur einen Besuch abstatten. Nach einer Anzeige ermittelt die Staatsanwaltschaft Wiener Neustadt gegen den 58-Jährigen. "Es geht um schwere Sachbeschädigung, unbefugten Gebrauch von Fahrzeugen und vorsätzliche Gemeingefährdung", sagt der Sprecher der Staatsanwaltschaft, Erich Habitzl. Ein Sachverständiger hat den Schaden begutachtet, auch die Polizei hat am Donnerstag Spuren gesichert.

Paulus Mankers Anwalt hat mittlerweile eine Stellungnahme zu dem Fall abgegeben (siehe unten).

Vorwürfe gegen Manker für Anwalt "nicht nachvollziehbar"

Laut Ortner hat Manker eine "Fehlleistung" begangen, indem er mit einer Lok in der Wiener Neustädter Halle, dem "Alma"-Aufführungsort, ein Tor beschädigt habe. Das habe sein Mandant auch umgehend gemeldet und kundgetan, für den Schaden aufzukommen.

Dass der Liegenschaftseigentümer Christian Blazek nunmehr Strafanzeige wegen vorsätzlicher Sachbeschädigung, unbefugten Gebrauchs von Fahrzeugen und Gemeingefährdung eingebracht habe, "entbehrt jeglicher Grundlage", sagte der Anwalt zur APA. Mit Manker, dem zudem vorgeworfen werde, alkoholisiert gewesen zu sein und keinen Wohnsitz zu haben, werde eine "aggressive Auseinandersetzung" geführt. Ihm werde "alles und jedes unterstellt".

Ein Vorsatz sei schon deshalb "absurd", weil Manker in der Halle ja aufführen wolle, betonte Ortner. Diesbezüglich gebe es auch eine bis 2018 laufende Vereinbarung mit Blazek. Aufführungen würden jedoch verhindert, weil der Halleneigentümer keine Erklärungen vor der Veranstaltungsbehörde abgebe.

Zu dem Unfall mit der Lok sei es auch deshalb gekommen, weil in der Halle völlige Dunkelheit geherrscht habe. Der Strom sei abgedreht worden, fügte der Anwalt hinzu. Manker habe die Lage beim Rückwärtsfahren falsch eingeschätzt.
(apa)

Mankers "Alma" in Bildern

Paulus Manker (58) sorgt auf den Theaterbühnen und abseits für Schlagzeilen. Er ist als Regisseur, Schauspieler und Drehbuchautor nicht nur umjubelt, sondern auch verschrien. Kulturkritiker bezeichnen ihn deshalb nicht nur als genial und Multitalent, sondern auch als Provokateur und Enfant terrible.

Manker ist Absolvent des Max-Reinhardt-Seminars in Wien. 1999 inszenierte der 58-Jährige aus dem Stück "Alma – A Show Biz ans Ende" einen dreiteiligen Fernsehfilm. Das Stück beschreibt das Leben der Künstlermuse Alma-Mahler-Werfel und ihre Beziehungen zu Ehemann Gustav Mahler oder Gustav Klimt. 2014 feierte Mankers Aufführung in der Serbenhalle in Wiener Neustadt ihr 20-jähriges Jubiläum. Bürgermeister Klaus Schneeberger versuchte zu vermitteln, dass das Stück auch in Wiener Neustadt bleibt – allerdings ohne Erfolg.

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