Wien/Kärnten
04/17/2016

Rohrbomben: Möglicher rechtsextremer Hintergrund

Nach Fund von Rohrbomben ermittelt Polizei nicht nur wegen Gemeingefährdung.

Zunächst sah es nach dem Werk von zwei jungen Bastlern aus. Doch rund um den Fund zweier funktionstüchtiger Rohrbomben in einem Hotel in Wien-Favoriten und einer Bombenwerkstatt in Kärnten gibt es jetzt weitere Ermittlungsansätze.

Wie der KURIER aus Polizeikreisen erfuhr, wird auch einer rechtsextremen Verdachtslage nachgegangen. Denn in jüngster Zeit gab es in Kärnten mehrere Anschläge mit Sprengmitteln auf Flüchtlingsunterkünfte.

Wie berichtet, hat ein Vermieter Donnerstagfrüh die Wiener Polizei informiert, weil er in einem Gästezimmer zwei Bomben entdeckt hatte. Wenig später wurden die Bewohner, zwei junge Kärntner, festgenommen. Beide Beschuldigte, 17 und 23 Jahre alt, sollen als Monteure auf Wiener Baustellen gearbeitet haben. Die sichergestellten Bomben sind alles andere als harmlos. Spezialisten stuften sie als hochgefährlich ein. Welche Sprengkraft sie entwickeln hätten können, wird nun von Sachverständigen geprüft.

Am Freitag folgte der nächste Paukenschlag. In der Wohnung des 23-Jährigen in Kärnten entdeckten die Ermittler eine Bombenwerkstatt. Neben einer scharfen Bombe wurden im Bezirk Völkermarkt mehrere Rohlinge sichergestellt, aus denen man weitere Rohrbomben herstellen hätte können. Der Besitzer der Werkstatt sitzt in U-Haft. Nachdem die Behörden an der Kärntner Wohnadresse des 17-Jährigen keine verdächtigen Bestandteile gefunden hatten, wurde er auf freiem Fuß angezeigt.

Rechtsextremismus?

Offiziell hieß es zunächst, dass gegen die beiden Verdächtigen wegen vorsätzlicher Gefährdung durch Sprengmittel ermittelt werde. Ein terroristischer oder extremistischer Hintergrund wurde zunächst vom Verfassungsschutz in Kärnten ausgeschlossen. Am Samstag hingegen drang aus Wiener Ermittlerkreisen durch, dass sehr wohl wegen des Verdachts des Rechtsextremismus ermittelt werde.

Denn in Kärnten gab es in den vergangenen Monaten mehrere Anschläge und Zwischenfälle, besonders im Umfeld von Asylunterkünften. So wurde am 7. August 2015 in Großkirchheim ein Böller auf die Terrasse einer geplanten Flüchtlingsunterkunft geworfen. Dabei sollen zwei Menschen leicht verletzt worden sein.Ein weiterer Angriff ist auch auf eine Unterkunft im Kärntner Straßburg dokumentiert.

Besonders das Quartier für unbegleitete Minderjährige in Feistritz an der Drau war in den vergangenen Monaten wiederholt Ziel von Attacken. Auf das vom Arbeitersamariterbund betreute Flüchtlingsquartier wurde schon gleich nach der Ankunft der Flüchtlinge im Februar ein Böller und ein Ziegelstein geworfen. Im April wurde ein mehrfach verglastes Fenster von Unbekannten mit einem spitzen Gegenstand oder einem Projektil durchschlagen. Alle Kärntner Fälle haben gemeinsam, dass die Polizei bisher noch die Täter sucht.

Ob die Kärntner Bombenbastler mit einem dieser Vorfälle wirklich etwas zu tun haben, wird von der Polizei nicht bestätigt. Aber man überprüfe sie im Zusammenhang mit kleineren Vorfällen in Kärnten, sagen Verfassungsschützer. Eine offizielle Bestätigung durch die Staatsanwaltschaft Wien gibt es dazu nicht.

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