Preis für Zivilcourage an Demonstranten in Haft

PROZESS AKADEMIKERBALL - DEUTSCHER GEGENDEMONSTRAN
Foto: APA/HERBERT NEUBAUER Josef S. beim Prozessauftakt Anfang Juni im Wiener Landesgericht, wo er sich nicht schuldig bekannte

Rückendeckung für den mutmaßlichen Anführer des Schwarzen Blocks auch aus Uni-Kreisen.

Für den Staatsanwalt ist der 23-jährige Student aus der deutschen Universitätsstadt Jena der Anführer des sogenannten Schwarzen Blocks, der mit Pflastersteinen und Metallmistkübeln Polizisten attackiert haben soll.

In seiner Heimatstadt hat Josef S. (in Abwesenheit) den von Oberbürgermeister Albrecht Schröter verliehenen Preis für Zivilcourage erhalten, als Anerkennung für sein Eintreten gegen Rechtsradikalismus und für demokratische Werte. Man kennt den Studenten der Werkstoffwissenschaften als "friedlichen, aufrechten Menschen", wie seine Professorin sagt.

Und in Wien, wo Josef S. seit über fünf Monaten in U-Haft sitzt, hat man ihm jetzt die Gasthörerschaft der Universität für angewandte Kunst angeboten.

Der Leiter des Instituts für Sprachkunst, Univ.Prof. Ferdinand Schmatz, will das als Ausdruck der Unterstützung verstanden wissen, "der über das Symbolische hinausgehen sollte". Auch ein kleines Lektüre-Paket hat man Josef S. in die Zelle geschickt.

Landfriedensbruch

Der 23-Jährige hat die Gasthörerschaft gerne angenommen, die praktische Umsetzung ist derzeit noch nicht möglich. Erst am 21. Juli wird der Prozess wegen Landfriedensbruch und versuchter absichtlicher schwerer Körperverletzung (bis fünf Jahre Haft drohen) fortgesetzt. Josef S. soll bei der Demonstration gegen den von der FPÖ veranstalteten Akademikerball am 24. Jänner 2014 als Aufwiegler mit "martialischem Auftreten" Pflastersteine auf Polizisten geworfen, eine Polizeistation verwüstet und eine Brandbombe in ein Einsatzfahrzeug geschleudert haben. Sein Anwalt Clemens Lahner (der S. gemeinsam mit Kristin Pietrzyk aus Jena verteidigt), hat einen Fotografen ausfindig gemacht, der am mutmaßlichen Tatort der angeklagten Ausschreitungen – vom Ankläger mit einem "Kriegsgebiet" verglichen – fotografiert hat. Er soll als Zeuge kommen und seine Bilder vorlegen, um feststellen zu können, ob der Angeklagte tatsächlich randaliert hat.

Außerdem sollen Mitarbeiter der MA 48 im Zeugenstand erklären, was sie nach der Demonstration eingesammelt haben: nur den üblichen Müll oder auch Pflastersteine?

Ein Sachverständiger für Pyrotechnik und Brandermittlung wird bis zur Prozessfortsetzung die Handschuhe untersuchen, die Josef S. damals getragen hat und mit denen er die Brandbombe geworfen haben soll: Befinden sich darauf Schmauchspuren? Kann man solche durch Waschen herausbekommen? Die Handschuhe wurden S. nach der Verhaftung nämlich nicht abgenommen, er hätte sie seither reinigen können.

(kurier) Erstellt am
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