Chronik | Österreich
05.07.2016

Zwei Tote durch illegale Böller: Anklage fertig

Acht Männer und eine Frau müssen sich vor Gericht verantworten. Unter ihnen ist ein Überlebender des Unglücks.

Zwei Todesopfer, völlig zerstörte Gebäude und tagelang Explosionsgefahr: So war die Situation Mitte November 2014 im südoststeirischen Kapfenstein. Ein 57-jähriger Mann und sein jüngster Sohn, 29, kamen ums Leben, als in dem Wirtschaftsgebäude illegal Böller hergestellt wurden. Die Explosion war kilometerweit zu hören, Gebäudeteile wurden Hunderte Meter durch die Luft geschleudert.

Eineinhalb Jahre danach hat die Staatsanwaltschaft Graz ihre Ermittlungen beendet und die Anklageschrift eingebracht. Sie birgt jedoch eine Überraschung: Nicht der getötete 29-Jährige und sein älterer Bruder, 33, der die Explosion leicht verletzt überlebt hatte, waren die Drahtzieher der Böller-Herstellung – sie dürften bloß mutmaßliche Helfer gewesen sein. Statt ihnen hat der Staatsanwalt einen 33-Jährigen im Visier, der ebenfalls aus dem Ort stammen soll: Er wird verdächtigt, schon jahrelang hinter der illegalen Produktion der Feuerwerkskörper gestanden zu haben.

Produktion verlegt

Die Staatsanwaltschaft Graz bestätigte gestern einen ORF-Bericht, wonach dieser Mann im Mittelpunkt der Anklage stehe. Er gelte als Haupttäter: Zunächst sollen die Böller in seinem Haus hergestellt worden sein. Doch dann sei die Auftragslage größer geworden und der Platz zu klein. Deshalb sei die Produktion auf das Anwesen jener Familie übersiedelt, die später zum Opfer der Explosion wurde – hervorgerufen durch falschen Umgang mit Aluminiumpulver und Kaliumperchlorid.

Der 33-Jährige wurde wegen des Verdachts der vorsätzlichen Gemeingefährdung angeklagt. Mit ihm dürften der überlebende Bruder sowie ein Mann aus Kapfenstein auf der Anklagebank sitzen. Sie sollen beim Herstellen der Feuerwerkskörper geholfen haben.

Ebenfalls um den Vorwurf der Gemeingefährdung geht es bei zwei Männern aus Spielfeld: Vater und Sohn sollen Böller in Auftrag gegeben haben.

Falschaussage

Insgesamt sind in diesem Fall aber neun Personen angeklagt: Drei Männer und eine Frau sollen wegen falscher Beweisaussage belangt werden. Sie behaupteten laut Staatsanwaltschaft, nichts von der Böller-Bastelei auf dem Anwesen gewusst zu haben. Die Anklage ist noch nicht rechtskräftig, deshalb steht auch noch kein Prozesstermin fest.