Chronik | Österreich
22.06.2017

"Wolfsberg entging einer Katastrophe"

Unwetterschäden in Millionenhöhe: Bad Weissenbach erneut betroffen, Kurzentrum bleibt geschlossen.

Knietief stehen Dutzende Helfer am Donnerstag in einer braunen Masse aus Wasser, Schlamm und Geröll. Sie schaufeln Dreck in Scheibtruhen und transportieren diesen zu bereitstehenden Kleinlastern. Diese Aufräumarbeiten nach einem Unwetter am Mittwochabend spielen sich jedoch nicht in freier Natur ab, sondern in einem Kurhotel im Bezirk Wolfsberg.

Das überschwemmte Erholungszentrum Bad Weissenbach bleibt mehrere Monate geschlossen, der Schaden geht in die Millionen. Auch 15 Wohnhäuser wurden vom über die Ufer getretenen Bach in Mitleidenschaft gezogen – zum zweiten Mal binnen zehn Monaten.

Flucht im Badeanzug

40 Liter Regen pro Quadratmeter fielen am Mittwoch in Wolfsberg binnen weniger Minuten. Der ansonsten beschaulich dahinplätschernde Weissenbach in der gleichnamigen Ortschaft schwoll zu einem reißenden Fluss an, trat über die Ufer und überschwemmte die Ortschaft St. Margarethen, Teile Wolfsbergs, aber vor allem Bad Weissenbach selbst und in der Kuranstalt die Küche, das Hallenbad, Therapieräume und etliche Zimmer. Rund 100 Personen, davon 74 Bewohner des Therapiezentrums, mussten evakuiert werden. "Die Menschen sind mit Badeanzug oder Bademantel bekleidet aus dem Haus gestürmt", erzählt Hans Peter Baldauf, Einsatzleiter der Feuerwehr, die mit 150 Helfern vor Ort war. Die Gäste wurden in andere Hotels oder Pensionen transportiert.

Im Kurhotel selbst wurde erst am Donnerstag das Ausmaß der Katastrophe sichtbar. "Bis zu einen Meter hoch war der Schlamm, der herausgekarrt wird", lässt Baldauf verlauten. Der Schaden würde rund 2,5 Millionen Euro betragen. Dies wollte der Betreiber, die Senecura, nicht bestätigen. Das Hotel wurde erst im Sommer 2015 um zwölf Millionen Euro saniert – und im Sommer 2016 waren die Erholungsanstalt und zahlreiche Bewohner Weissenbachs schon einmal von einem Hochwasser betroffen. Der Gesamtschaden für den Ort betrug damals rund eine Million Euro.

Aufräumen wie 2016

Bei Elisabeth und Friederike Berger ist der Garten verwüstet – wie im Vorjahr. "30 Zentimeter hoch stand der Schlamm diesmal, der Weissenbach hat uns wieder einmal alle überschwemmt", erzählt Elisabeth.

Auch Gerhard Marzi lebt direkt neben dem Bach, er betreibt dort eine Fischzucht, um die er nun bangt – wie im Vorjahr. "Der Einlauf wird stets mit Schotter und Geröll verstopft. Damit die Fische überleben, muss ich aber ständig alles freilegen und für Fließwasser sorgen", schildert er sein Problem.

Eine andere Sorge spricht Josef Ogrinig an, während er sein Grundstück notdürftig mit Sandsäcken absichert. "Das nächste Gewitter ist für Freitag angesagt, und dann habe ich wieder den Schlamm im Haus", erklärt er. Den hatte er am Donnerstag und – genau – im Vorjahr. Er sieht die Schuld bei den Behörden: "Der Weissenbach braucht eine Schutzmauer, er tritt ständig an derselben Stelle über die Ufer."

Untersuchung läuft

Wolfsbergs Bürgermeister Hans-Peter Schlagholz versucht den Ball flach zu halten. "Schuldzuweisungen helfen nichts. Experten von der Wildbachverbauung prüfen den Bach", meint er. Um dann zu erwähnen, dass der Bezirk mit einem blauen Auge davon gekommen sei. "Wolfsberg ist wohl nur knapp einer Katastrophe entgangen. Fällt ein solches Unwetter noch heftiger aus, kann aufgrund der Beckenlage im Lavanttal ganz Wolfsberg unter Wasser stehen." Dort wohnen 25.000 Menschen.