Die Feuerwehr kam selbst mit Atemschutz kaum weiter: Das Haus brannte innen aus, das Dach stürzte ein. Drei Menschen kamen ums Leben.

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Steiermark/Kroisbach
08/07/2015

Opa und zwei Kinder sterben bei Wohnhausbrand

Haus brannte bis auf die Grundmauern nieder. Die Mutter der Kinder und ihr jüngster Sohn überlebten

von Elisabeth Holzer

„Es ist kaum vorstellbar, dass es sie nimmer gibt.“ Josef Rath, Bürgermeister und Feuerwehrkommandant in Großsteinbach, stand gestern fassungslos vor der Brandruine, in der in der Nacht auf Freitag drei Menschen starben: Walter L. sowie seine Enkelkinder Sebastian (11) und Hannah (10). Sie erstickten im ersten Stock des Hauses in Kroisbach an der Feistritz, einem Teil der oststeirischen Gemeinde, an Rauchgasen.

Walter L.s Frau Gabi, die gemeinsame Tochter Nicole und deren jüngster Sohn, der zweijährige Paul, haben überlebt. Das ist zwei Nachbarn zu verdanken: Karl Prem und Helmut Plank, selbst Feuerwehrmänner, holten Mutter und Tochter sowie das Kleinkind über eine Leiter aus dem Haus. „Meine Frau ist wach geworden und hat die Hilferufe gehört“, schildert Prem. „Ich bin mit sofort mit einer Leitner rüber. Ich hab’ dann zuerst das Kind genommen und in Sicherheit gebracht.“

Die Männer bargen auch Gabi und Nicole. Die 32-Jährige versuchte verzweifelt, zurück in das Haus zu kommen, um Sebastian und Hannah zu holen. Doch sie hatte keine Chance – nicht einmal die Feuerwehrleute kamen trotz Ausrüstung mehr als fünf Meter weit: Das Gebäude stand sowohl im Dachgeschoß als auch im Parterre in Flammen.

Andacht beim Haus

Die beiden Frauen überstanden den Brand mit leichten Verletzungen, sie hatten bloß Rauchgasvergiftungen. Sie konnten das Spital bereits Freitagmittag wieder verlassen und zur Unglücksstelle zurückkehren: Gabi (50) und Nicole L. wünschten sich eine Andacht direkt vor Ort, um von Ehemann, Vater und Kindern Abschied nehmen zu können.

Über die Brandursache konnte die Polizei gestern noch wenig sagen. Das Haus gilt als einsturzgefährdet und konnte erst betreten werden, nachdem es abgesichert worden ist. Deshalb hatten die Brandermittler gestern Mittag noch wenig brauchbare Hinweise, wie das Feuer entstanden sein könnte. „Ich gehe aber nicht von Fremdverschulden aus“, schließt Wolfgang Maier vom Landeskriminalamt Steiermark zumindest Brandstiftung aus. Das Feuer könnte im Erdgeschoß Stock des Hauses ausgebrochen sein, möglicherweise in der Küche, vermutete Maier.

Offenbar hatte die 32-jährigen Nicole die Flammen bemerkt: „Sie wollte schon fast mit dem kleinen Kind runterspringen“, berichtet Einsatzleiter Rath. „Der Weg nach unten durch das Haus war für sie versperrt.“ Als die Feuerwehr eintraf, stand das Gebäude bereits in Vollbrand, später stürzte auch noch der Dachstuhl ein.

„Wir haben versucht, reinzukommen. Aber wir haben nur fünf Meter mit Atemschutz geschafft, da war einfach kein Durchkommen“, schildert Rath. 140 Feuerwehrleute, 20 Fahrzeuge und eine Löschwasser-Zufuhr, die eigens aus der Feistritz gelegt wurde und dennoch: „Wir haben nicht helfen können, obwohl wir alles aufgeboten haben. Das trifft uns alle emotional sehr hart.“

In der kleinen Gemeinde herrscht Bestürzung. Die Familie ist gut bekannt, Gabi und Walter L. hatten eine kleine Landwirtschaft mit Ab-Hof-Verkauf und betrieben auf ihrem Anwesen auch eine Buschenschank. Walter L. war Obmann der örtlichen Trinkwasser-Genossenschaft und im Vereinsleben der 450-Einwohner-Gemeinde engagiert. Die Tochter soll mit ihren drei Kindern erst vor kurzem wieder in das Elternhaus zurückgezogen sein.
Die Gemeinde hat ein Spendenkonto eingerichtet: Zusätzlich zum menschlichen Leid komme das finanzielle, bedauerte der Bürgermeister. „Das Haus kanns’t wahrscheinlich wegschieben, sie haben alles verloren.“