„Österreichs schönstes Stadion“ – beflügelt von der EURO 2008 sprachen sich Jörg Haider und Bürgermeister Harald Scheucher gegen den Rückbau der EM-Arena aus

© /GERT EGGENBERGER

Wörthersee-Stadion
09/06/2015

Haider-Prunkbau als Millionengrab

Prestigeprojekt ist juristische Baustelle/Events sind untersagt, somit verursacht es nur Kosten.

von Thomas Martinz

93.810.000 Euro an Steuergeldern sind für einen 12.000 Zuschauer fassenden Stadionkomplex geflossen. Unmöglich? Im Fall der Klagenfurter Wörthersee-Arena leider aktuell traurige Realität. Jörg Haiders Prunkbau ist zum Millionengrab mutiert. Großveranstaltungen liegen hier auf Eis, weil nach einem Entscheid des Verwaltungsgerichtshofs der Oberrang für 18.000 Fans ein Schwarzbau ist. Von einer Bewilligung bis zum Abriss ist nun alles denkbar – in der Zwischenzeit verschlingt das "UFO" Millionen um Millionen.

"Klagenfurt muss Austragungsort der EURO 2008 werden", lautete einst Jörg Haiders Wille. Und schon initiierte er samt treuer Gefolgschaft den Bau eines seiner beliebten "Leuchtturmprojekte" (in diese Kategorie fallen weiters die Hypo, die Seebühne, der Seen-Deal, die Saualm etc.). Von "Österreichs schönstem Stadion" war plötzlich die Rede. Und weil es auch so schön groß war, beschlossen Haider, Klagenfurts Bürgermeister Harald Scheucher & Co., dass man das Prestigeobjekt nicht – wie ursprünglich vereinbart und bewilligt – von 30.000 auf 12.000 Zuschauer zurückbaut. "Permanentmachung" lautete das Schlagwort, das nicht nur 19.850.000 Euro (15,5 Mio. davon kamen vom Bund) verschlang, sondern die aktuelle Misere einläutete.

Die Juristen von Stadt und Land entschieden, dass trotz Beibehaltung des Oberrangs keine Umweltverträglichkeitsprüfung erforderlich wäre. Weil die Anrainer im Rahmen dieses UVP-Feststellungsverfahrens nicht beigezogen wurden, entschied das Verwaltungsgericht jetzt, dass der Oberbau nicht besetzt werden darf. "Der Oberrang ist ein Schwarzbau. Auch die Multifunktionalität des Stadions ist nicht gegeben", betont Rechtsanwalt Franz Unterasinger, der die Anrainerinteressen vertritt. Kein Konzert, kein Länderspiel, kein Eishockey-Freiluft-Derby. Nur Fußball-Erstligist Austria Klagenfurt darf kicken und tut dies vor rund 2000 Fans.

Apropos Austria und Geldverschwendung: Die wurde 2007 von Haider in "FC Kärnten" umbenannt, als er um drei Millionen den ASKÖ Pasching kaufte und nach Klagenfurt umsiedelte. Wie viel die Starspieler- und Trainer kosteten, bleibt Haiders Geheimnis. Wie viele Spiele "ausverschenkt" waren, aber als "ausverkauft" angepriesen wurden, ebenso. Fakt ist, dass es Haider nicht mehr miterlebte, als der Verein vor fünf Jahren Konkurs anmeldete.

1,1 Millionen Abgang

Ausverkauft war das Stadion seitdem nur bei zwei Spielen des Wolfsberger AC und zwei Eishockey-Matches. Nachdem die Arena juristische Baustelle bleibt, wird auch der jährliche Abgang explodieren. Dieser beträgt derzeit 1,1 Millionen Euro – Kosten, die die Stadt zu tragen hat. "Als Unternehmer ist Risiko dein ständiger Begleiter. Aber in Stadion-Events zu investieren gleicht einem Bankrott", betont Thomas Semmler, der 2015 das "Masters of Dirt" vor 28.000 Fans veranstaltete. Die zwei Sportpark-Geschäftsführer können die aktuelle Situation nicht einschätzen, eine Stellungnahme wurde verweigert.

Klagenfurts Bürgermeisterin Maria-Luise Mathiaschitz (SPÖ) warnt indes vor dem "Worst Case". Gemeint ist nicht der Rückbau auf 12.000 Fans. "Das ist unmöglich", erfuhr sie. "Die Experten betonen, dass durch die Permanentmachung sämtliche Teile verschweißt sind und ein Abtragen des Oberrangs unmöglich wird. Wir müssten das Stadion sprengen." Am Wort ist nun das Landesverwaltungsgericht, das binnen sechs Monaten einen Beschluss fassen muss – oder die Causa wieder an die Behörden verweist.

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