Chronik | Österreich
23.11.2017

"Wir sind nicht tot": BZÖ tritt bei Wahl an

Orange orten Potenzial bei fünf bis sechs Prozent, Helmut Nikel als Spitzenkandidat.

Politologen sehen das BZÖ am Ende; selbst bei Umfragen in der einstigen Hochburg Kärnten reüssieren die Orangen unterhalb der Wahrnehmungsgrenze von einem Prozent. Gegen Ex-Bundesobfrau Johanna Trodt-Limpl ermittelt die Staatsanwaltschaft. Eine Parteistruktur und prominente Namen fehlen ebenso wie Finanzspritzen. All diesen Argumenten zum Trotz hat das BZÖ Kärnten jetzt beschlossen, bei der Landtagswahl am 4. März 2018 anzutreten.

"Wir sind nicht tot. Es ist zu 99,9 Prozent fix, dass wir in den Wahlkampf ziehen", sagt Landesobmann Helmut Nikel. Die Zeiten, als das BZÖ 44,89 Prozent erreichte (bei der Landtagswahl 2009, Anm.) werde man nicht mehr erleben. "Aber fünf bis sechs Prozent sind möglich. Wir wollen wieder zwei Landtagsabgeordnete stellen", meint Nikel.

Wobei ihm diese vor wenigen Monaten abhanden gekommen sind: Trodt-Limpl, im Juli noch geschäftsführende Bundesobfrau, und Wilhelm Korak beenden die Legislaturperiode unter dem Namen "Interessengemeinschaft der freien Abgeordneten". Gegen das Duo ermittelt die Staatsanwaltschaft wegen der Verdachtsmomente Untreue, Betrug und Fördergelder-Missbrauch. Es gilt die Unschuldsvermutung.

Erwiesen ist hingegen, dass Trodt-Limpl und Korak die Orangen auf legalem Weg um die Landes-Parteienförderung gebracht haben: mit der Namensänderung des Landtagsklubs bleiben nämlich 184.000 Euro an Fördergeldern beim Land.

"Haben genug Mittel"

Den Wahlkampf könne das Kärntner BZÖ dennoch finanzieren, heißt es. "Wir haben genug Mittel. Die Kosten-Obergrenze von 500.000 Euro müssen wir ja nicht ausreizen", betont Nikel.

Bleibt die Frage nach prominenten Persönlichkeiten, die auf Stimmenfang gehen könnten: Als Spitzenkandidat werde er selbst fungieren, lässt Nikel wissen. Aber sein Bekanntheitsgrad ist enden wollend. Der ehemalige Klagenfurter FPÖ-Vize-Bürgermeister Albert Gunzer, der klammheimlich bei den Orangen die Funktion als Klagenfurter Bezirksgruppen-obmann angenommen hat, könnte "im BZÖ-Wahlkampf eine gewichtige Rolle spielen", kündigt Nikel an. Gunzer winkt jedoch ab. "Ich übe das Amt bei der BZÖ nur pro forma aus, weil mich die Partei 2015 bei der Gemeinderatswahl in Klagenfurt finanziell unterstützt hat und strebe keine politische BZÖ-Funktion an", erklärt Gunzer.