Chronik | Österreich
27.10.2017

Winzerin Dorli Muhr: "Wollen Sie mitkosten, Fräulein?"

Winzerin und PR-Expertin Dorli Muhr setzte sich in einer Männerdomäne durch. Nun wird sie TV-Jurorin.

Vielleicht war ihre Karriere vorbestimmt, so nahtlos, wie sich die Puzzlesteine zusammenfügen. Ein logischer Schritt nach dem anderen. Der letzte führt PR-Expertin und Winzerin Dorli Muhr nun ins Fernsehen. Als einzige weibliche Jurorin der Castingshow "Österreichs nächster Topwinzer" will sie mit Winzer Leo Hillinger und Sommelier Markus Del Monego Jungwinzern zu deren Erfolg verhelfen. Tipps kann Muhr genug geben. Der Blaufränkisch ihres zwölf Hektar großen Weinguts Muhr-van der Niepoort am nö. Spitzerberg ist mehrfach prämiert, mit ihrer Agentur "Wine & Partners" betreut sie Spitzenweingüter.

Angefangen hat alles mit dem "wunzigen Weingarten" ihrer Großmutter in Prellenkirchen. Für Muhrs Eltern, Landwirte, war die Arbeit dort eine willkommene Abwechslung. Irgendwann wurde der ein Drittel Hektar große Weingarten gerodet. Die Leidenschaft für Wein aber blieb: Muhr studierte Dolmetsch und spezialisierte sich. 1991 gründete sie"Wine & Partners". Heute zählt die Agentur 13 Mitarbeiter, Kunden hat sie von Kalifornien bis Australien.

Der Wunsch, etwas "selber zu machen", sei immer da gewesen, erzählt die 52-Jährige. "Da kommt die Bauerntochter durch." Sie kaufte Grund in der Toskana und zog dann doch der Liebe wegen nach Portugal. "Dort, in diesem heißen Land, habe ich festgestellt, wie schwierig es ist, beim Wein auf Frische und Eleganz zu kommen", erzählt Muhr. Genau das wollte sie haben. Doch wo? "Dann kam mir die Idee: Zu Hause." Sie übernahm den Weingarten der Oma und kaufte Grund dazu. 2002 folgte die erste Ernte. Während ihre Ehe nicht hielt, blieb der Erfolg.

Denn Muhr wäre nicht Muhr, wenn sie sich "nur" mit Wein zufrieden gäbe. Schon immer faszinierte sie das Thema Geschmack und Aromen. "Du machst nach 20 Jahren eine Flasche auf und kannst sagen, auf welchem Boden die Reben gestanden sind", schwärmt sie.

Diese Faszination wurde ihr Mantra: Weine vom Spitzerberg sollen Weltspitzen-Niveau haben. Kleine Lagen, strenge Selektion, bio. Da stampft Muhr die Trauben schon einmal selbst mit den Füßen. Ihre Weine vergleicht sie mit Ballerinas, "die auf Spitzen tanzen". "Es schaut leicht aus, aber es sind Spannung, Kraft und Muskeln dahinter", erklärt sie. "Mir ist es wichtig, dass man sich nicht von Vordergründigkeit blenden lässt." Das will sie auch im TV vermitteln. "Wein ist kein Easy-Drinking-Getränk sondern eigentlich ein Kunstwerk."

Männerdomäne

Dass Muhr als einzige Frau in der Jury sitzt, ist symptomatisch für die Branche. Frauen als Winzerinnen sind nach wie vor unterrepräsentiert. Auch Muhr musste um ihren Erfolg kämpfen. "Als ich angefangen habe, war das eine Domäne der Männer mit Mänteln. Ich wurde gefragt, wollen Sie auch mitkosten, Fräulein? Brauchen Sie ein eigenes Glas", erzählt sie.

Mittlerweile gebe es viele junge, dynamische Winzerinnen. "Aber im internationalen Vergleich sind wir weit abgeschlagen", sagt die Expertin. "Wenn wir zehn zu 90 stehen, sind wir gut." In anderen Ländern liege das Verhältnis bei 30 zu 70. "In Österreich sagt man den Frauen noch, du musst dich um Kinder und Haushalt kümmern, da wirst du das nicht schaffen." Blödsinn, meint Muhr, die selbst Alleinerzieherin ist und zwei Unternehmen leitet.

Dass Frauen anderen Wein herstellen als Männer, glaubt sie allerdings nicht. Einen Unterschied aber ortet sie: "Männer sind tendenziell schneller beim Ranking. Frauen wollen die Qualität eines Weines nicht gerne in Punkte fassen." Wir werden es sehen.

Junge Weinbauern rittern um den Titel "Österreichs nächster Topwinzer"

Die Sendung

Am 30. Oktober startet auf Puls4 um 21.15 Uhr die Show "Österreichs nächster Topwinzer". Fünf Wochen lang stellen sich dabei 21 Teilnehmer der Bewertung der Expertenjury bestehend aus dem Erfolgswinzer Leo Hillinger, PR-Fachfrau und Winzerin Dorli Muhr sowie Sommelier Markus Del Monego. Nicht immer werden sich die Jurymitglieder einig sein. Wer weiterkommt, wird demokratisch entschieden. Das Finale wird am 27. November ausgestrahlt.

Die Aufgaben

Gleich zu Beginn bringen die Teilnehmer ihren spannendsten Wein in die Show, der dann von den Experten blind verkostet wird. Im weiteren Verlauf der Show müssen die Teilnehmer zahlreiche Aufgaben meistern, wie etwa Weinempfehlungen abzugeben, Verkaufsgespräche zu führen und ihr Wissen über Reben und Lagen zu präsentieren. Für den Gewinner gibt es dann unter anderem eine Partnerschaft mit dem Diskonter Hofer unter der Marke "Flat Lake".