Chronik | Österreich
08.02.2017

Wiens Wachstum bringt Probleme

Simmering hat, prozentuell gesehen, den meisten Zuzug. Und deshalb Probleme mit den Öffis.

1.867.960 Menschen lebten mit 1. Jänner 2017 in Wien. Mehr als je zuvor. Damit ist Wien die sechstgrößte Stadt innerhalb der EU. Und trotzdem wächst die Bundeshauptstadt deutlich langsamer. Der aktuelle Bevölkerungszuwachs beträgt laut Statistik Austria 27.734 Personen – oder 1,51 Prozent. Im Jahr zuvor waren es noch 42.889 Menschen mehr.

Gewinner Simmering

Schon seit Jahren verzeichnet Wien den höchsten Bevölkerungszuwachs aller Bundesländer. Das aktuelle Wachstum ist vor allem auf die Zuwanderung zurückzuführen – das bestätigen auch die Erhebungen der MA23. Vor allem die Zuwanderung aus dem Nahen Osten, aus Osteuropa und Deutschland macht sich bemerkbar. Die meisten Nicht-Österreicher in Wien kommen aus Syrien, gefolgt von Rumänien und Serbien. Insgesamt leben 534.887 Nicht-Österreicher in der Bundeshauptstadt. Dazu kommt ein Geburtenplus.

Fast alle Wiener Bezirke legten bei den Einwohnern zu. Mit einer Ausnahme: Der Alsergrund verlor in einem Jahr 369 Bewohner. Die meisten Zuzügler verzeichnet (prozentuell gesehen) Simmering – 2843 Bewohner sind hier dazu gekommen – ein Plus von 2,92 Prozent.

"Vor allem deshalb, weil viel gebaut wurde und auch noch viel gebaut wird", sagt Bezirksvorsteher Paul Stadler. Er sieht den Zuwachs dennoch kritisch. "Das ist nicht automatisch toll. Das bringt auch Probleme." Etwa den nötigen Ausbau des öffentlichen Verkehrs. Straßenbahnlinien hätten keine zufriedenstellenden Intervalle, Stadler wünscht sich außerdem den Ausbau der U-Bahn. "Die hört schon im ersten Drittel des Bezirks auf. Ein Weiterbau bis Kaiserebersdorf oder gleich bis Schwechat würde Sinn machen", ist er überzeugt. Es gebe noch einige freie Bauflächen. "Einziges Tabu ist für mich die Simmeringer Haide", erklärt Stadler.

Starkes Wachstum gibt es auch in Liesing und in der Donaustadt. Und sogar die Innere Stadt hat ein leichtes Bevölkerungsplus zu verzeichnen – und zwar von 57 Personen. Der Bezirk mit den meisten Einwohnern bleibt aber Favoriten mit fast 200.000 Bewohnern.

Auch alle anderen Bundesländer wachsen. Insgesamt lebten 8,77 Millionen Menschen mit Jahresbeginn in Österreich. Das spüren Vorarlberg (plus 1,19 Prozent) und Tirol (plus 0,95 Prozent). Die restlichen Bundesländer bleiben unter dem Durchschnitt. Den geringsten Zuwachs gab es mit 0,11 Prozent in Kärnten.

Kufstein ganz vorne

Es gibt sogar Bezirke, die Wien beim Wachstum noch überflügeln. Ein noch stärkeres Bevölkerungswachstum gibt es im Bezirk Kufstein in Tirol (plus 1,68 Prozent) und Bruck an der Leitha in NÖ (plus 1,56 Prozent). Graz-Umgebung wächst prozentuell genauso wie Wien.

Und es gibt auch Bezirke, die Bewohner im vergangenen Jahr verloren haben. Dazu zählt Güssing im Burgenland (minus 0,9 Prozent), gefolgt von Leoben (minus 0,88 Prozent).