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Ranking
02/19/2014

Wien gewinnt vor allem bei Ungarn

Platz 1 bei der Lebensqualität / Ungarn größte Zuwanderergruppe

Österreich zählte zu Jahresbeginn über 8,5 Millionen Einwohner. Im Vergleich zum Vorjahr stieg die Bevölkerungsanzahl somit um fast 53.000 Personen. Das entspricht einem Plus von 0,6%. Etwa 24.400 Zuwanderer entschieden sich für Wien. Die Bundeshauptstadt verzeichnet damit einen Bevölkerungszuwachs von 1,4% (siehe Grafik unten). Kein Wunder, belegt Wien doch weiterhin in der Mercer-Studie weltweit Platz eins als Großstadt mit der höchsten Lebensqualität. Jeder neue Einwohner bringt auch bares Geld für Österreich. Die Stadt Wien bekommt zum Beispiel pro Einwohner einen Zuschuss von 3006 Euro.

Laut Statistik Austria leben seit 2014 mehr als 1,06 Millionen (12,5%) ausländischer Staatsangehörige in Österreich. Überraschend, im aktuellen Zuwanderungsranking 2012 liegt Ungarn mit einem Wanderungszuwachs von 6609 vor den Deutschen und Rumänen an erster Stelle.

Zuwachs aus Ungarn

Daniel Antalfi, ein junger Ungar, lebt wie viele seiner Freunde im Ausland. Ihn zog es nach Österreich. Er erzählt: "Mein Vater arbeitete jahrelang in Österreich und pendelte täglich hin und her. Das war der Hauptgrund. Doch auch wegen der guten Ausbildungsmöglichkeit entschieden wir uns, nach Österreich zu ziehen." Jetzt lebt er in Wien und studiert Ungarische Sprachwissenschaften. Über die Auswanderungsgründe seiner Freunde erzählt er: "Viele meiner Freunde machten schlechte Erfahrungen in Ungarn. Was das Arbeitsleben betrifft, wird man stark ausgenutzt. Neue Gedanken sind nicht erwünscht."

2012 lebten über 48.000 Ungarn in Österreich, davon beinahe 16.500 in Wien. Der Zuwachs aus dem ungarischen Nachbarland nahm vor allem in den letzten zwei Jahren verstärkt zu. Zoltan Peter, Soziologe und Migrationsforscher, glaubt, die Antwort gefunden zu haben:"Die Zuwanderung aus Ungarn in den vergangenen Jahren ist vor allem ökonomisch bedingt. Doch auch die geografische Nähe zur Heimat spielt sicherlich eine wichtige Rolle." Seiner Meinung nach sind viele von der Entwicklung ihres Landes enttäuscht. Sie versuchen ihr Glück in der Fremde. Dennoch meint er: "Ungarn sind sehr patriotisch veranlagt. Ihr Nationalstolz lässt ihre Heimat und Kultur nur ungern hinter sich."

Moderne Nomaden

Ernö Deák floh 1956 während der Ungarnkrise nach Österreich. Seit 1961 lebt er in Wien. "Ich kann mir keine andere Stadt vorstellen. Zurückzukehren war für mich kein Thema." Ernö arbeitete als Historiker. Mittlerweile ist er Pensionist und fungiert als Präsident für den Zentralverband Ungarischer Vereine. Er beschreibt die Auswanderung: "Ungarn sind Weltenbummler, moderne Nomaden. Sie fühlen sich in ihrem Land beengt und wollen Luft schnappen." Zudem seien ungarische Arbeitskräfte in vielen Ländern geschätzt. "Viele Akademiker kommen nach Österreich, da sie hier besser arbeiten und leben können. Für Ungarn ist es natürlich ein Jammer, so viele qualifizierte Staatsbürger zu verlieren." Ernö schließt an: "Die jetzige Regierung wird nur schlechtgemacht. Dabei geht es weniger um die Regierung, es geht um das Image Ungarns."

Viele junge Ungarn sind unentschlossen. Daniel Antalfi möchte eigentlich in Wien bleiben. "Ich schätze die Lebensqualität. Dennoch mache ich mir viele Gedanken, ob ich wieder zurückgehen soll. Meiner Meinung nach wäre das jedoch ein Rückschritt."

Lebenswertes Wien:

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