Für den heurigen Skiwinter drohen apere Pisten

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Wetter
11/28/2015

Wärmeschock: Der Winter wird zum Auslaufmodell

Im Dezember soll es im Schnitt null Grad bekommen. 2015 könnte wärmstes Jahr seit 1767 werden.

von Michael Berger, Christian Willim

Gestern, Freitag, 12 Uhr mittags, zeigte das Thermometer auf dem Sonnblick (Landesgrenze Kärnten zu Salzburg) in 3106 Metern Höhe eisige 12 Grad minus. Für Mitte kommender Woche erwarten die Meteorologen an der selben Messstelle um die null Grad. Dem Winter 2015/’16 geht schon vor dem tatsächlichen Saisonstart die Kraft aus.

"Der Frühwinter ist mit Wochenstart vorbei. In den Niederungen wird es bis zum zweiten Adventwochenende zu zweistelligen Plusgraden kommen", spricht Ubimet-Meteorologe Martin Schreiter von irritierender Frühlingsstimmung mitten im Advent.

Dezember wird zu warm

Und die Langzeit-Wettermodelle sehen das Jahr 2015 auf Rekordkurs. "Der Dezember wird im 30-jährigen Mittel um 0,5 Grad zu warm", rechnet Schreiter vor. Auch die Kollegen von der Hohen Warte prognostizieren einen Wärmeschub: Aktuellen Berechnungen zufolge zeichnen sich bis Jänner 2016 überdurchschnittlich warme Temperaturen ab. Die Wahrscheinlichkeit liegt dabei bei 60 Prozent. Somit wird sich die Durchschnitts-Temperatur im Bundesgebiet bis Jahresende bei 0,0 Grad einpendeln. Für den Wintertourismus, dem vorweihnachtlichen Geschäft im Handel und den großen Wintersport-Events eine Hiobsbotschaft.

"2015 ist jetzt schon, gerechnet ohne dem kommenden warmen Dezember, das zweitwärmste Jahr seit den ersten Aufzeichnungen 1767", rechnet Ubimet-Meteorologe Schreiter vor. Zur Zeit führt noch 2014 im Hitze-Ranking. Ob heuer das wärmste Jahr seit 248 Jahren wird, bleibt noch offen. Basis für das Hitze-Jahr war der extreme Sommer 2015. Wobei in fünf Landeshauptstädten (Wien/15, Eisenstadt/ 10, Bregenz/3, Linz/8 sowie St.Pölten/14) Rekorde bei den Hitzetagen mit 35 Grad und darüber aufgestellt wurden (Statistik siehe Grafik).

Der wochenlang anhaltende hohe Luftdruck beeinflusst auch die Sonnen-Bilanz. Beispiel Klagenfurt: Gab es im November des Vorjahres 22 Sonnenstunden, waren es heuer 110. Fünf Mal so viel. Auch Wien stellte in dieser Kategorie im diesjährigen November einen Allzeit-Rekord auf. Und auf den sonnenverwöhnten Bergen fällt das Sonnen-Plus mit 40 bis 60 Prozent sehr hoch aus, bestätigt die Ubimet-Statistik.

Laut Vereinten Nationen (UN) wird 2015 das wärmste Jahr weltweit. Seit 1880 beträgt die globale Erwärmung 0,85 Grad. Im Alpenraum aber, so der österreichische "Klimabericht" stiegen die Temperaturen in diesem Zeitraum bereits um knapp zwei Grad.

Glanzlicht für die Fahrt über das Timmelsjoch

Die Hochalpenstraße über das Timmelsjoch, die das Ötztal mit Südtirol verbindet, liegt im Winterschlaf. Doch an der Mautstelle auf 2175 Metern über Obergurgl wird Freitagmittag noch hektisch gearbeitet. Es gilt noch den letzten Feinschliff zu erledigen. Denn mit dem Start der Kirchenkar-Gondelbahn an diesem Tag schlägt die Geburtsstunde des Top Mountain Crosspoint (TMC).

Rund 20 Millionen Euro hat das Obergurgler Touristiker-Brüderpaar Attila und Alban Scheiber, Eigentümer der Bergbahnen, in einen Multifunktionsbau investiert, der die Talstation der neuen Bahn, die Mautstelle und ein riesiges und schickes Besucherrestaurant unter einem Dach vereint. Im kommenden Frühjahr soll rechtzeitig zum Auftakt der Straßensaison noch ein weiteres Highlight gesetzt werden. Im April wird hier das höchstgelegene Motorradmuseum Europas eröffnet. 3000 Quadratmeter im TMC warten darauf, bespielt zu werden.

"Wir wissen nicht, was uns erwartet", sagt Attila Scheiber zum Abenteuer Museumsbetrieb. Doch das Publikum dürfte regelrecht bei der Türe hereinfallen. Rund 80.000 Biker queren pro Saison das Timmelsjoch. Und die Scheibers, die auch die Mehrheit an der Mautstraße halten, hoffen, dass ihr neues Museum eine zusätzliche Magnetwirkung haben wird.

Die Zwillingsbrüder wissen, was Biker-Herzen höher schlagen lässt. Rund 150 historische Motorräder aus den Baujahren 1905 bis 1918 haben sie in den vergangen Jahren gesammelt. "Wir sind Fanatiker", sagt Attila Scheiber. Und das haben sie mit dem Tiroler Architekten Michael Brötz gemeinsam, wie der gesteht.

Den kurvenförmigen Grundriss des eleganten Gebäudes, das mit einem großen Holzanteil besticht, will er auch als Symbol für die Kurven der Timmelsjoch-Hochalpenstraße verstanden wissen.

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