Chronik | Österreich
29.07.2017

Vor Hitzewelle: Uni Graz öffnet Wetterarchiv für Hobbyforscher

Vierte Hitzewelle beginnt kommende Woche. Daten aus mehr als 125 Jahren im Internet abrufbar.

Seit Samstag hat der Sommer Österreich wieder fest im Griff. Nach einigen kühlen Regentagen steht die bereits vierte Hitzewelle in diesem Jahr bevor. Meteorologen rechnen mit stabilem Hochdruckwetter. Gewitter sollten die Ausnahme bleiben. Die Temperaturen dürften kommende Woche in weiten Teilen des Landes über 30 Grad steigen. Der Dienstag könnte mit bis zu 37 Grad der heißeste Tag des heurigen Sommers werden.

Das ist natürlich sehr heiß. Aber bei weitem nicht die höchste je in der Stadt Graz gemessene Temperatur: Sowohl am 13. Juli 2013 als auch am 8. August 2013 kamen die Grazer noch mehr ins Schwitzen – an der Messstelle der Universität Graz wurden jeweils 38,1 Grad registriert. Mehr waren es in mehr als einem Jahrhundert nicht.

Wetterdaten ab 1890

So alt sind nämlich die Daten des Instituts für Physik oder genauer: Sie reichen bis 1890 zurück, sind lückenlos erfasst und erhalten, Tag für Tag. Damit aber nicht länger nur Forscher und Meteorologen etwas von diesem Wissen haben, hat das Team rund um Institutsleiter Ulrich Foelsche die Daten digitalisiert und öffentlich auf der Homepage zugänglich gemacht.

Die Blätter wurden gescannt, eine Suchfunktion kam dazu und schon lassen sich einzelne Tage abfragen. Am kältesten war es etwa am 24. Jänner 1903 sowie am 3. Februar 1929: minus 23,7 Grad. Der meiste Regen fiel mit 105 Litern pro Quadratmeter am 7. Juli 1938. Über die Uni sind die Daten von Juli 1890 bis November 2004 abrufbar; der Zeitraum danach ist auf der Homepage der Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik zu finden, da die Werte seither dorthin übertragen werden. Doch auch diese Daten sollen demnächst auf der Homepages des Physik-Institutes verfügbar gemacht werden.

Zwei Grad mehr seit 1900

Einzelne Tage abzufragen macht Spaß, zeigt aber auch die ernste Seite des Klimawandels. Heute ist es jeden Tag durchschnittlich zwei Grad wärmer als zu Beginn des 20. Jahrhunderts, rechnet Foelsche vor. Das schlägt sich auch in der Anzahl der sogenannten Tropentage nieder: Zwischen 1961 und 1990 gab es pro Sommer maximal vier Tage mit mehr als 30 Grad, seither steigt die Anzahl kontinuierlich an. Der Sommer 2017 könnte Rekordmeister werden: Allein im Juli wurden bereits 14 Tage mit zumindest 30 Grad gemessen, sechs davon hintereinander. Der Rekord aus 2013 lag bisher bei 13 Tropentagen im Juli.https://physik.uni-graz.at/de/geophysik/klimadaten-archiv