Stadtväter geben die Devise aus: Villach soll nicht Las Vegas werden

© APA/GEORG HOCHMUTH

Kärnten
02/28/2016

Villach: Bankfiliale ist jetzt ein Casino

Nach dem Rotlicht hat der Stadtsenat nun dem Glücksspiel den Kampf angesagt.

von Thomas Martinz

Die 60.000-Einwohnerstadt Villach hat dem aktuellen Rotlicht- und Glücksspiel-Boom den Kampf angesagt. Während für den Betrieb von Etablissements, wie berichtet, auf gesetzlicher Basis Schutzzonen geschaffen und die Bordelle in die Peripherie verdrängt wurden, wird das den Draustädtern bei den Spielcasinos nicht gelingen. Das Land schließt eine Gesetzesänderung aus.

Weil in Villach legale wie illegale Casinos wie Pilze aus dem Boden schießen, hat Bürgermeister Günther Albel (SPÖ) die Parole "Villach darf nicht Las Vegas werden" ausgerufen – doch das Gegenteil ist der Fall: In der Villacher Ossiacherzeile wurden in den letzten Tagen neue "Glücksbringer" angeliefert und aufgestellt. Dort, wo einst eine Filiale der Bank-Austria beheimatet war, wird somit weiterhin auf legalem Weg Geld den Besitzer wechseln.

Weil das Land die Betriebsbewilligung für dieses Casino erteilt hat, steigen nun die Stadtväter auf die Barrikaden. Der Berechnungsschlüssel des Landes sieht einen Glücksspiel-Automaten pro 1200 Einwohner vor. Das sind Kärnten-weit rund 470 Geräte, auf Villach entfallen 94 Bewilligungen. An sich keine ungewöhnliche Quote, weil die Kundenfrequenz in Städten stets höher ist – die lokale Politik will jedoch am Berechnungsschlüssel drehen, um nach dem Rotlicht (hier wurden per Landesgesetz so große Schutzräume gewährt, dass die Villacher Innenstadt bis 2019 zur "Sperrzone" wird) auch bei den Automaten die Stecker ziehen zu können.

"Ich fordere den zuständigen Landesrat (Christian Ragger, FPÖ, Anm.) auf, die Genehmigungen zurückzuschrauben", lässt Albel ausrichten. Am 9. März soll im Stadtsenat eine Resolution an das Land beschlossen werden. Angestrebt wird eine Gesetzesänderung, wonach der Berechnungsschlüssel für das entsprechende Gemeindegebiet angewendet werden soll, Schutzzonen mögen von 100 auf 300 Meter ausgeweitet werden, so der Wunsch.

In zehn Jahren

Landesrat Ragger schließt jedoch eine Gesetzesänderung für die nächsten zehn Jahre aus. "Unmöglich, die Konzessionen wurden ja bereits fix vergeben. Reden wir in zehn Jahren wieder darüber." Die Stadt möge sich vielmehr dem Kampf gegen illegale Betriebsstätten widmen. "Mehr als 200 illegale Spielautomaten stehen irgendwo in Villach. Die Stadt kennt die Standorte, weil sie sie seinerzeit genehmigt hat, und erstattet keine Anzeigen", argumentiert Ragger.

In den dunklen Hinterzimmern vieler Villacher Lokalitäten wird tatsächlich auch illegal fleißig gezockt. "Wir gehen mit aller Kraft dagegen vor: In den vergangenen Wochen wurden 38 illegale Automaten an fünf unterschiedlichen Standorten versiegelt, die Betreiber angezeigt", berichtet Viola Trettenbrein von der Stadtpolizei Villach.

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