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Chronik | Österreich
06/06/2016

Warum Muslime keine Hunde wollen

Hundehalter beschweren sich über Flüchtlinge, die den Tieren aus dem Weg gehen. Ein neues Video klärt auf.

Mit ungewöhnlichen Anrufen sieht sich die Islamische Glaubensgemeinschaft in Österreich (IGGiÖ) immer häufiger konfrontiert – und zwar nicht von Muslimen, sondern aus den Reihen der sogenannten Mehrheitsbevölkerung. Von Hundehaltern, um genau zu sein. "Die haben sich wiederholt konsterniert gezeigt, weil Flüchtlinge Aversionen gegen ihre Hunde zeigten, überängstlich reagierten und die Straßenseite wechselten", schildert IGGiÖ-Sprecherin Carla Amina Baghajati.

Ein neues Aufklärungsvideo auf YouTube soll nun die Wogen glätten. Die arabisch-sprachige Version der "Islamischen Botschaften" (Folge 12) wurde bereits mehr als 400-mal geteilt, die deutsche immerhin rund 300-mal.

In dem Video richtet sich der Obmann der Initiative Muslimischer Österreicher (IMÖ), Tarafa Baghajati – der gebürtige Syrer ist der Ehemann der IGGiÖ-Sprecherin – sowohl an europäische Muslime, als auch an "Mehrheitsösterreicher". Er erläutert die unterschiedlichen Interpretationen islamischer Rechtsschulen, erklärt kulturelle Eigenheiten und rät letztlich beiden Seiten zur Gelassenheit.

Das Video

"Kein Weltuntergang"

Muslimische Rechtsgelehrte sind ja durchaus unterschiedlicher Auffassung, was die rituelle Reinheit des Hundes betrifft. So gilt er bei den Malikiten zum Beispiel als rein – auch im nassen Zustand (und auch sein Speichel), während bei den Hanafiten und den Hanbaliten der Hund an sich rein, der Speichel aber unrein ist. Bei den Schafiiten und den Schiiten gilt das Tier dagegen generell als unrein – egal, ob nass oder trocken (siehe Grafik).

"Im Interesse eines friedlichen Zusammenleben", fordert Tarafa Baghajati gläubige Muslime dazu auf, "zwar nicht ihre jeweilige Rechtsschule aufzugeben, aber doch Pragmatismus walten zu lassen". Statt verbissen der Meinung der Rechtsgelehrten zu folgen, sollten logische Erklärungen gesucht werden.

So seien etwa Polizei- und Drogenhunde, Therapie- oder auch Jagdhunde ob ihrer Tätigkeit auch dann tolerierbar, wenn die Rechtsschule sie als unrein einstuft. "Wenn eine Notwendigkeit für sie besteht, gibt es kein Problem", sagt Baghajati in dem Video.

Aber auch, wenn es sich einfach nur um Haustiere handelt, sei ein Aufeinandertreffen "kein Weltuntergang". Selbst, wenn im Winter ein feuchter Hund an der Hose eines Gläubigen anstreifen sollte, dürfe dieser in die Moschee gehen. Die Hose könne er ja nachher waschen. "Für das Zusammenleben hier ist es wichtig, keine große Affäre aus so etwas zu machen", rät Baghajati. "Mag die Situation auch persönlich unangenehm sein, ist es doch unnötig, sich zu verkrampfen."

"Keine Hundephobie"

Das gelte auch "für die andere Seite" – sprich für die österreichischen Hundehalter. Die "sollten verstehen, dass sie es nicht mit Verachtung oder einer Hundephobie zu tun haben, sondern mit einer anderen kulturellen Prägung".

In dieselbe Kerbe schlägt man bei der IGGiÖ. Dort sei man für die nunmehrige Beschwerdeflut sogar dankbar, sagt Frau Baghajati. "Denn das gibt uns die Möglichkeit zur Aufklärung – auf beiden Seiten. Denn eine harmlose Geste – das Wechseln der Straßenseite – wird von den Hundehaltern zum Teil komplett missinterpretiert. Da zieht so mancher schnell den Rückschluss, dass Muslime Tiere nicht schätzen würden, und dass ihr Umgang mit Hunden auch etwas über ihren Umgang mit Menschen aussage. Und die Flüchtlinge wiederum ahnen nicht, welche Reaktion sie mit ihrem Verhalten verursachen."

Um aufzuklären, finde die Thematik nun auch immer öfter in Moscheen Eingang.