Chronik | Österreich
21.06.2017

Verurteilter Mörder starb nach Streit in seiner Zelle

Mutmaßlicher Täter sitzt ebenfalls wegen Mordes in der Justizanstalt Graz-Karlau.

"Es ist was passiert", meldete der 33-Jährige aus seiner Zelle. Als die Justizwachebeamte den Drei-Mann-Haftraum in der Justizanstalt Graz-Karlau öffneten, fanden sie einen der Insassen regungslos am Boden, für ihn gab es keine Hilfe mehr: Renè O., 34, starb an schweren Kopfverletzungen, die vom Schlag mit einem Tischbein stammen könnten.

Der mutmaßliche Täter ließ sich widerstandslos aus der Zelle in einen anderen Haftraum führen. Das Landeskriminalamt Steiermark ermittelt wegen Mordverdachtes gegen ihn: Der 33-Jährige soll seinen Mitinsassen O. während eines Streits getötet haben.

Sowohl das mutmaßliche Opfer als auch der Verdächtige sind keine kleinen Kaliber. Beide kamen wegen Gewaltverbrechen in die Karlau: Der 34-jährige Kärntner Renè O. wurde im Vorjahr wegen Mordes zu 18 Jahren Haft verurteilt (nicht rechtskräftig) er soll im September 2015 seine Freundin in einer Badewanne ertränkt haben. Eine Tat, die O. nie zugab, auch beim Prozess nicht: Er habe sie, die unter Drogen stand, "abbrausen" wollen.

Tat "verniedlicht"

Das war auch der Grund für den Streit zwischen den beiden Häftlingen, wie der 33-Jährige gestern zugab: O. sei nicht "zu seiner eigenen Gewalttat gestanden" und habe sie sogar "verniedlicht". Der 33-Jährige, ebenfalls aus Kärnten, hat nämlich eine gleich lange Haftstrafe zu verbüßen er wurde bereits 2011 wegen Mordes verurteilt: Er hat seine Freundin mit einer Hacke erschlagen.

Mit ihr hatte er eine Tochter, die ein Jahr alt war, als ihre Mutter getötet wurde. Der damals 26-Jährige hatte dem Baby noch ein Fläschchen gegeben, bevor er "seiner Freundin mit der scharfen Seite der Axt regelrecht den Schädel zertrümmert hat", wie der Sachverständige beim Prozess beschrieb.

Nicht ungewöhnlich

Diese beiden Männer sollen im Beisein eines dritten Insassen gegen 22 Uhr im Haftraum in Graz aneinander geraten sein. Dass zwei verurteilte Mörder in einer Zelle sitzen, sei nicht ungewöhnlich, betont Oberstleutnant Gerhard Derler, stellvertretender Leiter der Justizanstalt. "Bei allen Verlegungen schauen wir auf die Persönlichkeiten der Täter, es gibt Gespräche, psychologische Beurteilungen. Im langjährigen Vollzug kann so etwas dann schon vorkommen."

Wenn möglich, werde auch auf die Wünsche der Insassen eingegangen, das scheint auch in diesem Fall so gewesen zu sein: Die beiden Kärntner wollten gemeinsam untergebracht werden. Der 33-jährige Verdächtige war bereits seit einigen Jahren in der Karlau: "Er hat zuvor keine Auffälligkeiten gezeigt", versichert Derler.