Dubai: Außenminister Kurz schickt Krisenteam

Dubai
Foto: POLES - FOTOLIA 59197594/Igor Poleshchuk/Fotolia Das Vergewaltigungsopfer wartet in Dubai auf die Anklage (Archivbild)

Zigtausende fordern in Online-Petition Freilassung des Opfers und politisches Handeln.

Ein Schicksal geht um die Welt. Und zwar das jener 29-jährigen Wienerin, die in Dubai vergewaltigt worden sein soll und danach drei Tage lang in Haft gesteckt wurde. In rasendem Tempo verbreitet sich in sozialen Netzwerken wie Facebook und Twitter eine Petition, in der die Freilassung der Frau gefordert wird. Mehr als 165.000 Menschen hatten sich bis Mittwochvormittag bereits solidarisch erklärt. Auch das Außenministerium wird nun aktiv.

Die Unterstützer der Petition fordern Außenminister Sebastian Kurz auf, sich für die umgehende Freilassung der Österreicherin einzusetzen und die politischen Vertreter Dubais aufzufordern, die 29-Jährige zu begnadigen. Auch die Gesetzeslage an sich solle reformiert werden. Und zwar so, „dass Vergewaltigungsopfer geschützt werden und keine Gefängnisstrafe fürchten müssen, wenn sie ein Sexualverbrechen melden.“ Der Appell ist auch direkt an Sheikh Mohammed bin Rashid Al Maktoum, Herrscher des Emirats Dubai, gerichtet. Christoph Schott, Kampagnenleiter bei Avaaz, sagte der APA: "Dies ist eine erste internationale Bewährungsprobe für den jüngsten Außenminister aller Zeit. Sebastian Kurz muss sicherstellen, dass Dubai die junge Österreicherin zu ihrer Familie und ihren Freunden zurückkehren lässt und seine Gesetze so ändert, dass Opfer geschützt anstatt mit einer harten Gefängnisstrafe bedroht werden."

ÖSTERREICHISCHER VORSITZ IM EUROPARAT: SEBASTIAN K Foto: APA/Dragan TATIC Kampagnenleiter: 'Erste internationale Bewährungsprobe für Kurz''

Die Geschichte der Wienerin bewegt nicht nur in Österreich. Zahlreiche Unterstützer der Petition kommen aus Deutschland und anderen Teilen Europas, sogar Neuseeländer sind dabei.

Sie fordern, wie im Fall der jungen Norwegerin, die ebenfalls in Dubai vergewaltigt und verurteilt wurde, die politischen Fäden zu ziehen.

Die Wiener Studentin befindet sich aktuell noch immer in Dubai. Eine Ausreise ist nicht möglich. Die junge Frau soll in der Nacht auf den 1. Dezember in der Parkgarage eines Luxus-Hotels vergewaltigt worden sein. Der mutmaßliche Täter soll Jemenite sein. Zeugen hörten Hilfeschreie und alarmierten die Polizei. Doch Hilfe bekam das Opfer keine. Stattdessen wurde es wegen Alkoholkonsums und unehelichem Sex für drei Tage inhaftiert.

Die österreichische Botschaft und ein lokaler Anwalt vertreten sie. Die Anklage-Erhebung dauert bis Ende Februar. Der Frau droht eine mehrjährige Haftstrafe.

Kurz schickt Krisenteam

"Der Minister steht persönlich mit Verantwortungsträgern der Emirate in Kontakt und hat ein hochrangiges Krisenteam des Ministeriums nach Dubai entsandt", hieß es am Mittwochvormittag aus dem Außenministerium. Zudem habe Kurz "seit Beginn an alles in seiner Macht Stehende getan, um unserer Österreicherin zu helfen".

Was die Situation allerdings verschärft: Die Wienerin ist Muslimin, d.h. sie muss in diesem Fall "mit der ganzen Härte der islamischen Scharia, der dortigen Gesetzgebung, rechnen", sagt Amer Albayati, Mitbegründer der Initiative Liberaler Muslime Österreich (ILMÖ). Denn westliche Bürger werden im Normalfall in den Emiraten "gnädiger" behandelt. Geringer könnte die Strafe dann ausfallen, wenn die Wienerin den mutmaßlichen Täter heiratet, sollte dieser nicht wegen Vergewaltigung verurteilt werden.

Link: secure.avaaz.org/de/petition

(kurier/APA) Erstellt am
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