Chronik | Österreich
06.08.2017

Unwetter: Neuerliche und noch heftigere Gewitter in der Steiermark

In der Steiermark kam es in der Nacht auf Sonntag zu neuerlichen Unwettern. Straßen wurden teilweise weggerissen, Menschen eingeschlossen. Im Raum Oberwölz soll Bundesheer helfen.

Kaum waren die Aufräumarbeiten angelaufen ist es in der Nacht auf Sonntag zu neuerlichen Unwettern in der Steiermark gekommen. Hier die wichtigsten Informationen:

  • Eine gewaltige Gewitterfront zog über weite Teile der Steiermark und richtete gewaltige Schäden an.
  • Besonders betroffen sind die Gebiete Oberwölz, Oberzeiring, die Sölktäler, aber auch im Aichfeld, bei Bruck und Leoben richteten Gewitter schwere Schäden an.
  • Wie der KURIER erfahren hat, wurde das Bundesheer für einen Hilfseinsatz angefordert. Am Nachmittag sollen die Truppen eingtreffen.
  • Krisenstab mit Landesregierung tagt in Kobenz
  • Dutzende Straßen sind vermurt.
  • 1000 Feuerwehrleute sind im Einsatz.
  • Im steirischen Sölktal wurde ein Wanderer vermisst, konnte jedoch am frühen Abend unverletzt gerettet werden.
  • Felsen stürzten auf Kärntner Packer Straße.
  • LH Schützenhöfer hat mit Finanzminister Schelling über finanzielle Hilfen gesprochen.
  • Hagelversicherung: Ersten Schätzungen zufolge beläuft sich der Gesamtschaden in der Landwirtschaft auf rund eine Million Euro.
  • Erneut schwere Gewitter in den Salzburger Gebirgsgauen.
  • In Oberösterreich wurde ein Fußgänger von einem Blitz tödlich getroffen.

Nach zwei Unwetternächten in Folge herrscht in Teilen der Obersteiermark und Salzburgs Ausnahmezustand. Mehrere Orte sind auf dem Straßenweg nicht erreichbar, die Einsatzkräfte stehen im Dauereinsatz, in der Obersteiermark rückte das Bundesheer zur Unterstützung an.

In der Obersteiermark wurde am Sonntag ein Wanderer vermisst. Der Mann war ursprünglich mit einer Gruppe unterwegs, die bis Mittag per Hubschrauber in Sicherheit gebracht wurde. Am frühen Abend konnte dann auch für den Vermissten Entwarnung gegeben werden. Er wurde von der Bergrettung am Sölkpaß gefunden und konnte unverletzt gerettet werden.

In Donnersbachwald sitzen aber weiterhin rund 400 Touristen fest, sagte Sprecher Fritz Grundnig. Die Glattjochstraße (B75) war nämlich aufgrund von Vermurungen und Erdrutschen immer noch nicht passierbar. Am Nachmittag hat es zudem wieder zu regnen begonnen.

Laut Landespolizeidirektion Steiermark war am Nachmittag ein weiterer Einsatz der Hubschrauber wegen der Wetterlage nicht möglich. Mit den noch auf den Almen und den Hütten verbliebenen Personen konnte Kontakt aufgenommen werden. Bisher sind keine Verletzungen von Personen bekannt. Durch die Unwetter wurden auch Stromversorgungs- und Telefonleitungen sowie Kleinkraftwerke beschädigt, wodurch es in weiten Teilen der Obersteiermark zu Unterbrechungen der Stromversorgung kommen kann.

Gebäude evakuiert

In Sölk wurden noch in der Nacht acht Gebäude evakuiert, 28 Bewohner mussten die Häuser verlassen. Die Straße auf den Pass wurde auf einer Länge von 100 Metern weggerissen. Vom Stausee taleinwärts gibt es keine Stromversorgung mehr, die Instandsetzung wird voraussichtlich mehrere Monate dauern.

Das Bundesheer hat am Sonntag einen Assistenzeinsatz gestartet, um in der Obersteiermark bei Aufräumarbeiten und der Beseitigung von Verklausungen zu helfen und Behelfsbrücken zu bauen. Finanzminister Hans Jörg Schelling und Außenminister Sebastian Kurz (beide ÖVP) kündigten die Bereitstellung finanzieller Mittel aus dem Katastrophenfonds des Bundes an. "Wir wollen nach der Ersthilfe vor Ort sicherstellen, dass den Betroffenen unbürokratisch finanziell geholfen wird", hieß es in einer Aussendung. Bundeskanzler Christian Kern (SPÖ) sprach sich ebenfalls für eine rasche Unterstützung aus: "Selbstverständlich werden wir den Betroffenen unverzüglich unter die Arme greifen und uns mit Mitteln aus dem Katastrophenfonds bei den Kosten des Wiederaufbaus beteiligen."

Unwetter in Österreich: Überschwemmungen

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Überflutete und vermurte Straßen im Murtal.

In der Steiermark sind schwere Unwetter in der Nacht auf Sonntag niedergegangen.

Feuerwehrleute bergen einen PKW im Murtal bei Kobenz.

Aufräumarbeiten nach einem Murenabgang in Osttirol

Osttirol: Murenabgang an der Felbertauernstrasse. Die Straße ist weiterhin gesperrt.

Häuser mussten in der Steiermark evakuiiert werden.

Straßen wurden teilweise weggerissen.

Feuerwehren beim Abpumpen der überfluteten Keller und Straßen.

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In der Obersteiermark sind vor allem die Bezirke Liezen, Murtal und Murau von den Unwettern betroffen. Mehrere Orte wurden zu Katastrophengebieten erklärt. In Oberwölz (Bezirk Murau) waren am Sonntag zehn Gehöfte nicht erreichbar, in der Nacht wurden 14 Menschen in Sicherheit gebracht, untertags weitere acht. Der Grund waren Hangrutschungen, die Wohnhäuser bedrohten.

Der steirische ÖVP-Chef habe bereits mit Finanzminister Hans Jörg Schelling (ÖVP) über finanzielle Hilfen gesprochen, sagte er Sonntagmittag. Er bedankte sich bei "allen, die anpacken und helfen die Unwetterschäden zu beseitigen. In diesen schweren Stunden müssen wir mehr denn je zusammenhalten."

Murenabgang im Pongau

Im Salzburger Pongau ist die Großarler Landesstraße durch eine riesige Mure auf einer Länge von zwei Kilometern verschüttet worden. Bis Sonntagmittag wurden vier Menschen per Rettungshubschrauber von Großarl in ein Spital gebracht. Unter ihnen war eine schwangere Frau wegen der bevorstehenden Geburt. Ebenfalls gesperrt ist die Katschbergstraße (B99). Am Sonntagvormittag lagen rund 1.500 Kubikmeter Geröll zwischen Tweng und der Lawinengalerie auf der Straße. Die Fahrbahn ist bis zu drei Meter hoch verschüttet. Obertauern ist auf dem Straßenweg nicht erreichbar. Das Land hat für die Beseitigung der Unwetterschäden in den Gebirgsgauen Mittel aus dem Katastrophenfonds freigegeben.

Unwetter haben in der Nacht auch in Tirol Schäden angerichtet. In Mayrhofen im Zillertal wurden die Keller von rund 70 Wohnhäusern und Hotels überflutet. Überschwemmungen gab es auch in Steinach am Brenner. Dort deckte Sturm außerdem ein Haus ab.

In Südtirol wurde das Dorf Prags (Provinz Bozen) überschwemmt. Schlamm und Geröll reichten bei einigen Häusern bis in den ersten Stock. Die Stromversorgung wurde unterbrochen, berichteten die Behörden. Wegen eines Murenabganges war ein Regionalzug in Richtung Innichen blockiert. 80 Fahrgäste wurden evakuiert.

Fußgänger in OÖ durch Blitzschlag getötet

In Oberösterreich wurde am Sonntagvormittag ein 77-Jähriger durch einen Blitzschlag tödlich getroffen. Der Mann konnte zunächst wiederbelebt werden, erlag aber am frühen Nachmittag im Krankenhaus Ried im Innkreis seinen Verletzungen. Mehr dazu hier.

Unwetter in Salzburg

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