Chronik | Österreich
07.02.2018

Uni Innsbruck prüfte bereits vor 30 Jahren Ehrentitel für Burschenschaft

Die Universität Innsbruck arbeitet seit zwei Jahren ihre Geschichte auf © Bild: Universität Innsbruck

Im Gedenkjahr 1988 stand die Brixia vor der Aberkennung als "akademische" Vereinigung. Die Uni ließ die Sache im Sand verlaufen.

Wohl nicht zufällig haben grüne Studierendenvertreter am Montag bei der Universität Innsbruck beantragt, der Verbindung Skalden den Ehrentitel "Universitätssängerschaft" abzuerkennen. Die Affäre Landbauer in Niederösterreich hat deutsch-nationale Burschenschaften wieder in den Fokus der Aufmerksamkeit gebracht. Am 25. Februar wird in Tirol gewählt. FPÖ-Chef Markus Abwerzger ist bekennender Skalde und die wiesen in ihren Reihen mehrere hochrangige Nazis und NS-Kriegsverbrecher auf.

Dejan Lukovic sitzt für die GRAS im Uni-Senat und hat dort den Aberkennungsantrag eingebracht. Die Skalden hätten sich nie von den Tätern des Nationalsozialismus in ihrer Verbindung distanziert, begründete er diesen Schritt. Abwerzger sagte dazu im Ö1-Mittagsjournal am Montag: "Diese Personen, die offenbar wirklich Kriegsverbrechen zu verantworten haben, von denen distanziert man sich eindeutig und klar." Bereits in den 1990er-Jahren hätten die Skalden ihre Archive für den Historiker Michael Gehler offen gelegt, was dieser gegenüber der TT auch bestätigt.

Geschichtsfälschung

Dass die Debatte um Uni-Ehrentitel für rechte und deutschnationale Burschenschaften nicht neu ist, zeigt laut Lukovic ein Beitrag Gehlers aus dem Jahr 2002 zum "Anschluss"-Gedenkjahr 1988. Darin arbeitet der Historiker die Affäre rund um eine Broschüre auf, die Mitglieder der Akademischen Burschenschaft Brixia in Innsbruck damals auch an der Uni verteilten. Die Schrift war laut Gehler darauf angelegt, den Anschluss 1938 "als vom Volk gewünschte Entscheidung" darzustellen.

Der akademische Senat setzte daraufhin eine Arbeitsgruppe ein, "zum Zweck, der Burschenschaft Brixia den Titel einer ,akademischen’ Vereinigung abzuerkennen". Geschehen ist das nicht. Die Uni habe versagt, so Gehler. Lukovic fordert, dass neben dem Ehrentitel für die Skalden auch jener für die Innsbrucker Brixia und die Suevia geprüft wird. Die beiden schlagenden Burschenschaften führen die Bezeichnung "akademisch."

Gedenken an Mörder der Progromnacht

Die Suevia hat es bis heute nicht geschafft, sich klar von Gerhard Laus­egger zu distanzieren. Der SS-Mann war in der Pogromnacht vom 9. auf den 10. November 1938 am Mord des Vorsitzenden der jüdischen Gemeinde, Richar­d Berger, beteiligt. Der Name Lauseggers findet sich bis heute am Innsbrucker Westfriedhof auf einem Denkmal der Suevia, deren Mitglied er war.

Die Skalden haben ihren Ehrentitel laut Universität Innsbruck im Jahr 1983 auf Antrag des damaligen Rektors wiederverliehen bekommen. Das hat ein im Archiv ausgehobener Protokollauszug ergeben. "Wir haben nichts zu verbergen und wir agieren gerade auch im Hinblick auf dunkle Kapitel unserer Vergangenheit sehr sensibel", bekräftigte der heutige Uni-Rektor Tilmann Märk am Mittwoch in einer Aussendung.

Nicht zuletzt aufgrund der bevorstehenden 350. Jubiläums der Universität würden Historiker seit mehr als zwei Jahren an einer entsprechenden Publikation. "Zusätzlich habe ich heute die nach der aktuellen rechtlichen Lage zuständige Ehrungskommission einberufen, um diese Entscheidungen von vor 35 Jahren zu diskutieren und allfällige Konsequenzen zu ziehen", erklärte Märk.