Uni Innsbruck plagt sich mit Plagiatsvorwür­fen

NEUE REGIERUNG: PROTEST GEGEN VERLUST DES EIGENSTÄ
Foto: APA/UNI INNSBRUCK  

Deutscher Hochschulprofessor darf Doktortitel behalten. Für Plagiatsjäger Stefan Weber ein Beleg dafür, dass in Innsbruck "verschleppt und vertuscht wird".


Für die eigene Uni-Abschlussarbeit massiv abgeschrieben und dann ungestraft davon gekommen? Stefan Weber reiht in dieses Muster zumindest sechs Fälle ein, mit denen sich die Leopold-Franzens-Universität in Innsbruck in den vergangenen Jahren beschäftigen musste. "Sie dreht das Recht in die Richtung, in die sie es braucht", sagt der Salzburger Plagiatsjäger. Vor Kurzem hat die Uni das Widerrufverfahren des akademischen Doktortitels gegen einen Deutschen eingestellt. Das bestätigt die Hochschule Heilbronn auf KURIER-Anfrage. An der ist der Mann pikanterweise selbst Professor und muss demnach wissenschaftliche Arbeiten beurteilen.

Dessen Dissertation weist laut Weber, der sich auf eine Analyse von "Vroniplag" bezieht, "massive Plagiate auf. Und zwar auf 68 Prozent der Seiten." Der deutsche Tagesspiegel kommentiert den Ausgang des Verfahrens in einem Bericht zu dem Fall bissig: In Österreich sei man offenbar weniger streng als in Deutschland. Doktoranden sei deshalb zu raten: "Sei nicht blöd, promovier lieber in Österreich!" Und Weber kritisiert die Uni Innsbruck scharf: "Es wird verschleppt und vertuscht."

Prominente Verdächtige

AUSTRIA OPERA BALL 2011 Foto: APA/EPA/HELMUT FOHRINGER Mario-Max von Schaumburg-Lippe (hier beim Opernball 2011) wurde in Innsbruck zum „Doktor“. Tatsächlich ist es nicht der erste Plagiatsverdacht an der Innsbrucker Universität, der für Schlagzeilen sorgt. 2011 wurde die Doktorarbeit des Salzburger C-Promi-Prinzen Mario-Max zu Schaumburg-Lippe unter die Lupe genommen. Er durfte seinen Titel letztlich behalten. Genauso wie Dominic Stoiber, der Sohn des bayerischen Ex-Ministerpräsidenten Edmund Stoiber. 2013 kam die Uni zu dem Schluss, dass der Doktorgrad durch eine Arbeit über den Vater nicht erschlichen wurde.

Die Erklärung zu den jeweiligen Entscheidungen – so auch im aktuellen Fall um den deutschen Professor – fallen recht dürftig aus. "Es handelt sich um Behördenverfahren, die der Amtsverschwiegenheit unterliegen. Daran müssen wir uns halten", begründet Uni-Sprecher Uwe Steeger die Zurückhaltung bei Medienanfragen. Nur wenn die Betroffenen selbst das wünschten, könne die Öffentlichkeit informiert werden. "Die Entscheidungen beruhen aber auf Gutachten."

TILMANN MÄRK NEUER REKTOR DER UNIVERSITÄT INNSBRUC Foto: APA/ROBERT PARIGGER Rektor Tilmann Märk Bleibt die Frage, ob sich Innsbrucks Uni-Rektor Tilmann Märk angesichts der immer wieder aufkeimenden Vorwürfe nicht mehr Redefreiheit wünschen würde? "In Zeiten, in denen die Transparenz von Entscheidungen einen hohen Stellenwert bekommen haben, wäre es natürlich überlegenswert, das Thema Amtsverschwiegenheit genauer zu diskutieren und eine mögliche Lösung zu finden, die den Schutz der Person und den Wunsch nach Transparenz besser in Einklang bringt", meint Märk dazu in einer schriftlichen Stellungnahme. Eine Forderung klingt anders. Auch wenn der Rektor bekräftigt: "Wir haben nichts zu verbergen."

Und so kann die Kritik von außen weiter auf die Universität einprasseln. Für eine Titelaberkennung muss in Österreich bewiesen werden, dass in Erschleichungsabsicht wesentliche Teile einer Arbeit ohne Verweise abgeschrieben wurden. Für Weber steht fest, dass auf die Dissertation des deutschen Hochschulprofessors "beides zutrifft".

Die Uni in Zahlen

29.000  An der Universität Innsbruck sind rund 29.000 Studenten eingeschrieben.

4.000  Mit über 4000 Studenten ist die Rechtswissenschaftliche Fakultät die größte der Uni. Sie war auch von den Fällen Stoiber, Schaumburg-Lippe und jenen um einen deutschen Professor betroffen.

(kurier) Erstellt am
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