Chronik | Österreich
07.01.2012

Umfrage: Großer Polit-Frust in Kärnten

Hohe Verschuldung, Hypo-Skandal und Scheuch-Prozess zeigen Wirkung: Die Politiker sind im Land unten durch.

Angesichts von Finanzkrise und Korruptionsskandalen ist es um das Ansehen von Politik und Politikern generell schlecht bestellt. Aber in Kärnten ist die Stimmung noch schlechter als anderswo. Das geht aus einer Untersuchung des Instituts Triconsult hervor. Demnach haben zwei Drittel der Bevölkerung den Eindruck, dass die Entwicklung im Land in die falsche Richtung läuft. Besonders unzufrieden sind Gebildete und Personen mittleren Alters.

Mehr als drei Jahre nach dem Tod von Landeshauptmann Jörg Haider, der in Kärnten regelrecht verehrt wurde, kehrt im Land Ernüchterung ein, glaubt Triconsult -Geschäftsführer Felix Josef. Die Kärntner würden zunehmend mit den Folgen der Haider-Politik konfrontiert. "Die ökonomische Situation und die politische Perspektivenlosigkeit gibt der Bevölkerung nicht wirklich Anlass zum Optimismus", sagt Josef zum KURIER.

Hausgemacht

Der Vertrauensverlust sei weitgehend hausgemacht: "Es ist die Hypo Alpe-Adria mit den entsprechenden finanziellen und moralischen Auswirkungen, es ist die hohe Pro-Kopf-Verschuldung, es ist der Verlust des Glaubens an die Sonderstellung Kärntens, die von Jörg Haider immer vermittelt wurde. Jetzt hat sich der Blues breitgemacht." Noch schlimmer könnte es werden, sollte Landes-Vize Uwe Scheuch im "Part of the game"-Prozess auch in zweiter Instanz verurteilt werden, glaubt Josef.

Das trifft alle Landes-Politiker – auch Landeshauptmann Gerhard Dörfler (FPK). Nur 25 Prozent der Befragten trauen ihm zu, die Probleme in Kärnten zu lösen. Mit diesem niedrigen Wert liegt er allerdings immer noch weit vor allen anderen. Peter Kaiser, Chef der Landes-SPÖ, kommt auf 16 Prozent, ÖVP-Chef Josef Martinz nur auf neun Prozent. Vor ihm liegt noch Wirtschaftskammer-Präsident Franz Pacher. Arbeiter-Kammerpräsident Günther Goach rangiert auf Platz fünf.

"Luft ist draußen"

Dörflers Problem sei, "dass er als Vertreter von Jörg Haider gewählt wurde – und jetzt die Luft draußen ist", sagt Josef. Dass Dörflers FPK in der "Sonntagsfrage" weit unter das Wahlergebnis vom März 2009 (damals noch BZÖ) kommt, ist für den Marktforscher die logische Folge. Die ÖVP sei in Kärnten "konturenlos und von häufigem Obmannwechsel geplagt". Der aktuelle Obmann Martinz sei zudem durch die Hypo-Alpe-Adria-Affäre nicht ganz unbelastet. SPÖ-Chef Kaiser ist für Josef bei der "falschen Partei". Denn er kommt laut Befragung beim Bildungsbürgertum besser an als bei den klassischen SPÖ-Wählern. Die sind laut Josef schon lange zur FPÖ, dann zum BZÖ und jetzt zur FPK abgewandert.