Chronik | Österreich
15.06.2017

Trainer unter Verdacht: 57 mögliche Opfer

Vorwürfe erstrecken sich vom "Po-Grapschen" bis zu schwerem sexuellen Missbrauch.

Eine neue Dimension erreicht der Fall jenes 60-jährigen Wiener Volleyballtrainers, der in Wien, Klagenfurt und auf diversen Auslandsreisen ihm anvertraute Minderjährige missbraucht haben soll. Die Zahl der möglichen Opfer ist von anfangs fünf auf 57 explodiert.

Wie berichtet, war vor fünf Wochen ein 60-jähriger Nachwuchsbetreuer des Vereins Volleyball Niederösterreich Sokol/ Post SV wegen des Verdachts des mehrfachen schweren sexuellen Missbrauchs, der Herstellung von Kinderpornografie und Missbrauch des Autoritätsverhältnisses festgenommen worden. Erst erstatteten fünf mögliche Opfer Anzeige, das jüngste war zum Tatzeitpunkt erst sieben Jahre alt.

Der Fall kam im Sommer 2015 ins Rollen, als der Verdächtige im Rahmen des Beachvolleyball-Grand-Slam in Klagenfurt in seiner Funktion als "Court Manager" eines Beachvolleyball-Platzes ein elfjähriges Mädchen aus Niederösterreich im Freien unsittlich berührt haben soll. Zeugen hatten die Tat beobachtet und sie zur Anzeige gebracht.

Zahl könnte steigen

Da der Mann in den vergangenen Jahren mehrere Volleyball-Mannschaften in Wien betreut hatte, suchte die Polizei weitere Opfer. "52 Mädchen haben sich seitdem gemeldet. In zwei Fällen geht es ebenfalls um die Paragrafen 206, 207 und 207a (schwerer sexueller Missbrauch, sexueller Missbrauch sowie pornografische Darstellung von Jugendlichen, Anm.), in 50 weiteren um unsittliche Berührungen, also das Popo-Grapschen. Aber wir sind noch nicht am Ende unserer Ermittlungen", betont Thomas Keiblinger, Pressesprecher der Wiener Polizei. Bezüglich des Alters der betroffenen Mädchen und des Tatzeitpunktes könne er keine Angaben machen. Damit sei unklar, in wie vielen Fällen das Po-Grapschen strafbar gewesen wäre (das verschärfte Gesetz gilt sei 1. Jänner 2016). Für nähere Informationen verwies Keiblinger auf die zuständige Staatsanwaltschaft (StA) Klagenfurt.

Dort sitzt der 60-Jährige nach wie vor in der Justizanstalt in Untersuchungshaft. Er spiele in den Einvernahmen sämtliche Anschuldigungen herunter, heißt es von Seiten der StA.

Aufnahmen

"So gibt er an, dass er den Mädchen nur bei der Reinigung im Intimbereich geholfen hätte", lässt ein Sprecher verlauten. Videos und Bilder seien mit Zustimmung der Mädchen entstanden, argumentiere der Trainer. Weil es sich stets um Nahaufnahmen des Intimbereichs handelt, ist nicht geklärt, ob die Opfer auf dem sicher gestellten Material schlafen oder wach sind.

Die Staatsanwaltschaft Klagenfurt geht übrigens davon aus, dass die Causa bald an die Kollegen in Wien ergehen werde. Es gebe entsprechende Anträge vom Beschuldigten und von den Opfern, heißt es.