Chronik | Österreich
11.01.2018

Tote in Inn gefunden: Schwiegervater bestreitet Schuld

Der 43-jährige Angeklagte soll die zweifache Mutter vorsätzlich getötet haben.

Ein 43-Jähriger hat sich am Donnerstag wegen Mordes am Landesgericht Innsbruck verantworten müssen. Ihm wurde vorgeworfen, am 2. Februar des vergangenen Jahres seine Schwiegertochter von der Arbeit abgeholt und getötet zu haben. Die Leiche der zweifachen Mutter wurde schließlich im April im Inn gefunden. Der Prozess war für zwei Tage anberaumt, ein Urteil wurde für Freitag erwartet.

Staatsanwalt Florian Oberhofer beschrieb die in München aufgewachsene 26-Jährige in seinem Eröffnungsplädoyer als "aufgeschlossene, lebensfrohe und optimistische Frau". Ihre Ehe dürfte jedoch nicht sonderlich harmonisch gewesen sein, fügte er hinzu. Auch habe es Gerüchte über "sexuelle Grenzüberschreitungen" des Schwiegervaters an der jungen Frau gegeben.

Abschieds-SMS im Namen des Opfers

Obwohl bei zwei Obduktionen keine Todesursache mehr festgestellt werden konnte, da die Leiche zu stark verwest gewesen sei, gebe es andere "umfangreiche Ermittlungsergebnisse, die keinen Zweifel daran lassen, dass die 26-Jährige getötet wurde", sagte Oberhofer. Überwachungsvideos würden zeigen, dass der Angeklagte seine Schwiegertochter am Tag ihres Verschwindens von der Arbeit abgeholt habe. "Sie ist in sein Auto gestiegen und seit diesem Zeitpunkt hat es kein Lebenszeichen mehr von ihr gegeben", erklärte der Staatsanwalt.

Zudem habe der Beschuldigte von einer anonymen Handywertkarte aus Abschieds-SMS im Namen des Opfers an seinen Sohn und ihre Mutter gesendet. Auch habe der Angeklagte laut Oberhofer am nächsten Tag im Internet danach gesucht, ob ein ausgeschaltetes iPhone geortet werden könne. Der 43-Jährige hatte bei seiner ersten Einvernahme alles abgestritten. "Erst nach und nach hat er seine Verantwortung immer dem angepasst, was man gerade gegen ihn in der Hand hatte", sagte der Staatsanwalt.

Verteidigerin Eva Kathrein rief den Geschworenen in ihrem Eröffnungsplädoyer in Erinnerung, dass die Obduktionen der Leiche keine Hinweise auf Gewalteinwirkungen ergeben hätten. Zudem hätte ihr Mandant laut den Standortdaten seines Handys, nachdem er seine Schwiegertochter abgeholt hatte, keine Zeit gehabt, um die Leiche in den Inn zu werfen. Die Rechtsanwältin betonte außerdem, dass es keine Beweise für einen Mord gebe, und es sich um einen reinen Indizienprozess handle. Auch ein Motiv würde fehlen, schloss Kathrein ihr Eröffnungsplädoyer.

Schwiegervater weist Schuld von sich

Der Angeklagte hat sich vor Richter Josef Geisler nicht schuldig bekannt. "Ich glaube, dass sie sich umgebracht hat, weil mein Sohn sie verlassen wollte", sagte der Beschuldigte. Der 43-Jährige gab vor den Geschworenen jedoch zu, seine Schwiegertochter am Tag ihres Verschwindens von der Arbeit abgeholt zu haben.

Danach sei er mit ihr rund zwei Stunden durch das Tiroler Unterland gefahren, wobei sie immer wieder angehalten hatten und seine Schwiegertochter öfters telefoniert habe. Sie habe dabei die Route vorgegeben, betonte der Angeklagte. "Ich habe gemacht, was sie gesagt hat, weil sie mir gedroht hat, mich sonst wegen Vergewaltigung anzuzeigen", erklärte der 43-Jährige.

Zwei Selbstmordversuche

Er habe seine Schwiegertochter dann schließlich zu einem Parkplatz in Brixlegg gebracht, wo sie in einen schwarzen BMW eingestiegen sei. Kurz davor habe sie ihn noch angewiesen, die Abschieds-SMS an seinen Sohn und ihre Mutter zu schicken, schilderte der Beschuldigte. Bei seiner ersten Einvernahme bei der Polizei hatte er gelogen, weil er nicht wollte, dass seine Familie erfährt, dass er seine Schwiegertochter nach Brixlegg gebracht habe, verteidigte sich der Angeklagte.

Der 43-jährige Serbe hatte kurz nach dem Verschwinden der 26-Jährigen zwei Mal versucht, sich das Leben zu nehmen. "Ich konnte nicht mehr, aufgrund der ganzen Beschuldigungen, mir wurde alles zu viel", sagte der Angeklagte auf Nachfrage des Richters dazu.