Chronik | Österreich
06.10.2017

Tödlicher Unfall mit Baby: Debatte um Zug-Tempo

ÖBB überlegt Maßnahmen zur Verbesserung der Sicherheit. Abbremsen der Güterzüge würde aber zu längeren Reisezeiten im Personenzugverkehr führen, so die Gewerkschaft.

Nach dem tödlichen Unfall in Puch bei Hallein stellt sich die Frage, ob Güterzüge nicht langsamer als die erlaubten 100 km/h durch Bahnhöhe fahren sollten. Rudolf Schuchter, Landesvorsitzender der Gewerkschaft vida Salzburg, sprach sich gegenüber der APA dagegen aus. Wenn die mehrere 100 Tonnen schweren Züge das Tempo reduzierten, vergehe viel Zeit, was den Personenzugverkehr verlangsamen würde.

Längere Fahrtdauer wäre die Folge

Das Abbremsen der Güterzüge nehme so viel Zeit und Weg in Anspruch, dass schon bald wieder die nächste Haltestelle da sei, wo wieder abgebremst werden müsste. Der Zugverkehr sei so dicht, dass nachfolgende Züge ebenfalls ihre Geschwindigkeit reduzieren müssten und sich folglich die Reisedauer für die Fahrgäste verlängern würde. Aber jeder freue sich, wenn Zugfahrten kürzer würden und beispielsweise die Fahrt von Salzburg nach Wien nur zwei Stunden und 25 Minuten dauere, erklärte der Gewerkschafter.

Verbauungen würden Tunnelwirkung und Sog verstärken

Dass der Kinderwagen am Bahnsteig in Puch bei Hallein vom Sog eines vorbeifahrenden Güterzuges erfasst wurde, sei wohl die Folge "einer Verkettung von vielen unglücklichen Momenten" gewesen, meinte Schuchter. Die betroffene Mutter und Familie tue ihm sehr leid. Als nicht unproblematisch bezeichnete er Verbauungen wie Lärmschutzwände an Haltestellen. Aufgrund der Tunnelwirkung würde sich der Sog vorbeifahrender Züge noch verstärken. Eine Erkenntnis aus dem Unfall sei, Reisende über die Gefahren an Bahnsteigen noch mehr aufzuklären, obwohl die ÖBB in diesem Bereich schon sehr viel unternehmen würden, sagte der vida-Landesvorsitzende.

ÖBB-Sprecher Roman Hahslinger verwies auf die derzeit laufende Sicherheitskampagne, wo auf die Gefahren an Bahnsteigen hingewiesen wird. Was den Unfall in Puch bei Hallein betrifft, so gebe es Überlegungen, wie man die Sicherheit noch verbessern könnte. "Wir wollen aber keine Schnellschüsse machen, wir warten noch die weiteren Untersuchungen und die Unfallursache ab." Die ÖBB würden immer daran arbeiten, den höchsten Sicherheitsstandard zu erreichen.

Abstand

Auf die Frage, ob nicht der Wartebereich mit Sitzbänken mit einer größeren Entfernung zur Bahnsteigkante und dem anschließenden Gleiskörper errichtet werden sollten - auf dem Bahnsteig in Puch bei Hallein, auf dem die Mutter mit ihren zwei Kindern auf die S-Bahn wartete, betrug der Abstand zur Kante nur rund zweieinhalb Meter - antwortete Hahslinger: Alles, was zu einer noch weiteren Erhöhung der Sicherheit beitragen könne, fließe in den laufenden Diskussionsprozess ein.