Chronik | Österreich
29.10.2017

Graz: Todesschüsse aus dem Hinterhalt

Nachbarschaftsstreit eskalierte. Behördenschreck soll zwei Menschen getötet haben. Schütze auf der Flucht.

Ein seit Jahren tobender Nachbarschaftsstreit endete Sonntagfrüh in Stiwoll im steirischen Bezirk Graz-Umgebung mit einem Blutbad. Zwei Menschen kamen ums Leben und eine Frau wurde schwer verletzt. Kurz nach 9 Uhr Früh soll ein als Justiz-Querulant bekannter 66-Jähriger entweder Selbstjustiz geübt oder durchdreht haben. Mit einem Gewehr feuerte er auf seine Nachbarn.

Für den 64-jährigen Gerhard E. und die 65-jährige Adelheid H. kam jede Hilfe zu spät. Die 48-jährige Martina Z. wurde schwer verletzt ins Spital gebracht. Dann setzte sich der Schütze in einen weißen VW-Transporter (Kennzeichen GU-5WTH) und flüchtete vom Tatort. Besonders gefährlich: Der Mann soll weiterhin bewaffnet sein. Die Tatwaffe, das Jagdgewehr seiner Frau, hatte er mitgenommen.

Amtsbekannt

Sofort nach der Alarmierung rückte die Polizei zu einer groß angelegten Fahndung aus. Der mutmaßliche Täter Friedrich F. ist nämlich sowohl bei der Exekutive als auch bei Gericht bestens bekannt.

F. gilt als Behördenschreck. Er lieferte sich dem Vernehmen nach sowohl mit Mitbürgern, als auch mit höheren Instanzen seit Jahren Streitigkeiten. Als Sonntag Polizeiwägen mit Sirenengeheul und sogar ein Panzerwagen durch den Ort rauschten, bekamen es viele mit der Angst zu tun. Vom KURIER befragte Ortsbewohner sowie Bürgermeister Alfred Brettenthaler wollten die Tragödie vorläufig aber nicht kommentieren.

Die Polizei stand im Großeinsatz. "Wir haben sowohl das EKO Cobra, als auch Hubschrauber und Diensthunde im Einsatz. Die Suche läuft und wurde auf die umliegenden Bundesländer ausgeweitet", berichtete Polizeisprecher Leo Josefus am Sonntag.

Die Polizei sperrte den Tatort weiträumig ab, um nach dem Schützen suchen zu können. Doch er war längst aus der Ortschaft verschwunden. SchockstarreIn der kleinen 700-Einwohner-Gemeinde Stiwoll löste die Tragödie eine Art Schockstarre aus. Ein Kriseninterventionsteam betreute die betroffene Familie. Über Facebook gab die örtliche Feuerwehr am Sonntag zudem bekannt, dass heute, Montag, Kindergarten und Schule in Stiwoll geschlossen bleiben.Laut Exekutive könnte ein Streit wegen eines Wegerechts Auslöser für die tödliche Attacke gewesen sein. "Es soll eine Aussprache gegen 9.15 Uhr geplant gewesen sein. Die dürfte dann eskaliert sein", berichtete Josefus über die ersten Ermittlungsergebnisse des LKA Steiermark. Es tauchten auch erste Hinweise darauf auf, dass F. aus dem Hinterhalt geschossen haben dürfte. Dass es sich beim Gesuchten um einen möglicherweise psychisch höchst labilen Querulanten handelt, wollte Josefus weder bestätigen noch bestreiten.

Ein Einblick in die verworrene Gedankenwelt des Verdächtigen findet sich im Internet. Nachdem die Polizei per Nachrichtendienst Twitter das Kennzeichen des Fluchtautos von Friedrich F. veröffentlichte, verwiesen Twitter-Nutzer auf bedenkliche frühere Aktionen des Tatverdächtigen. Sogar Bilder, die sein Auto mit "Heil Hitler"-Schriftzug zeigen, wurden gepostet. Im Netz finden sich weiters verschrobene Blogs, in denen F. hohe Justizbeamte, Politiker und Nachbar als Verleumder bedroht. Auch Filme, in denen er mit den Nachbarn heftig streitet, sind zu finden. Die Polizei habe auf seinem Hof vergeblich nach Sprengstoff gesucht, schrieb F. etwa. Ebenso ist in einem Schriftstück ein wirrer Hinweis auf Hinrichtungen in der Hitlerzeit zu finden. Diese Geschichte dürfe sich nicht wiederholen, heißt es weiter. Und dann der Satz: "2017 die gleichen Hinrichtungen".