Chronik | Österreich
25.04.2017

Tiroler Zahnarzt: Keine Termine für Erdogan-Wähler

Entsprechendes Schreiben hing drei Wochen in Praxis. Auch Erdogan-treuer Sender "A Haber" berichtete. Dabei seien Nazi-Vergleiche gefallen.

Ein Tiroler Zahnarzt hat in einem Aushang in seiner Praxis darum gebeten, dass "Menschen, die mit der Politik von Erdogan einverstanden sind" keine Termine vereinbaren sollen. Das Schreiben, dass drei Wochen in der Ordination hing, sei mittlerweile nach Intervention der Zahnärztekammer wieder verschwunden, berichtete die Tiroler Tageszeitung (TT) in ihrer Dienstagsausgabe.

Auch der Erdogan-treue, türkische Sender, dessen Auslandskorrespondent Ramazan Aktas gleichzeitig Sprecher der AKP-nahen UETD (Union Europäischer-Türkischer Demokraten) ist, habe über den Aushang berichtet.

Dabei seien Nazi-Vergleiche gefallen. Während diverser Interviews wurde laut TT immer wieder ein Schild mit der Aufschrift "Juden werden hier nicht bedient" eingeblendet.

"Ein Zeichen setzen"

Der Zahnarzt wollte laut eigenen Aussagen mit dem Schreiben ein Zeichen setzen gegen die politische Linie des türkischen Staatspräsidenten und dessen Referendum. Der Mediziner betonte gegenüber der TT aber gleichzeitig, dass jeder kommen könne und auch ganz normal behandelt werde. Es müsse sich auch niemand vor der Behandlung erklären, niemand werde gefragt, wofür er politisch stehe, fügte der Zahnarzt hinzu.

Der Präsident der Tiroler Zahnärztekammer, Wolfgang Kopp, hielt in einer Stellungnahme indes fest, dass der betroffene Zahnarzt mitgeteilt habe, alle Sozialversicherten vertragsgemäß zu behandeln und auch niemals eine Behandlung oder eine Terminvereinbarung aufgrund einer politischen Einstellung eines Hilfe suchenden Patienten verweigert zu haben oder in Zukunft verweigern zu wollen.

Da auch keine entsprechenden konkreten Hinweise vorliegen würden, sehe die Kammer den Vorfall als "individuelle, politische Meinungsäußerung".