Chronik | Österreich
09.01.2018

Tiroler FPÖ will in Haiders Thronsaal an alte Höhenflüge anknüpfen

Blaue starten als erste Partei in den Wahlkampf. Das ist dem Saal für den Auftakt geschuldet.

Unzählige Male ist Heinz-Christian Strache in den vergangenen Jahren als Wahlkampf-Zugpferd nach Tirol gereist. Am Mittwochabend wird der Chef der Bundes-FPÖ erstmals als Minister den Anheizer geben können. Die Tiroler Blauen hoffen durch die Regierungsbeteiligung im Bund auf Rückenwind aus Wien. Für ihren Auftakt in den Landtagswahlkampf haben sie den Congress Innsbruck als Bühne gewählt.

"Dort gibt es mit der Dogana einen der größten Säle des Landes", begründet Tirols FPÖ-Chef Markus Abwerzger, warum dieses Veranstaltungszentrum gebucht wurde. Das ist in der Ballsaison jedoch bestens gebucht. Und weil es unbedingt dieser Ort sein musste, starten die Freiheitlichen um fast zwei Wochen früher in den Wahlkampf als ihre Konkurrenz.

Doch bei der FPÖ macht man auf Nachfrage auch kein großes Hehl daraus, dass das Kongresszentrum für die Partei ein durchaus geschichtsträchtiger Ort ist. Hier fand 1986 der Bundesparteitag der Freiheitlichen statt, bei dem sich Jörg Haider an die Macht putschte.

Im Sog des Rechtspopulisten ritten auch die Tiroler Blauen auf ihrer größten Erfolgswelle. Bei der ersten Tiroler Landtagswahl der Haider-Ära 1989 legten sie um fast zehn Prozent auf 15,56 Prozent zu. Einem leichten Plus 1994 folgte 1999 das Rekordergebnis: 19,61 Prozent.

Im selben Jahr führte Haider die FPÖ im Bund auf Platz zwei und paktierte mit der ÖVP in Folge die erste schwarz-blaue Regierung – an der die Partei 2002 aber zerbrach. Die Tiroler FPÖ kam seither nicht mehr über 12,6 Prozent hinaus, liegt derzeit aber in Umfragen bei 20 Prozent und mehr. Ein neues Rekordergebnis ist in Reichweite.

Abwerzger, der die Partei nach der Landtagsschlappe 2013 (9,34 Prozent) übernommen hat, hält den Ball vorerst flach. "Zulegen" will er und die FPÖ auf den zweiten Platz führen. Als größter Hemmschuh für eine mögliche Koalition mit der ÖVP gilt die Unberechenbarkeit der Funktionäre der Partei, die Abwerzger immer wieder in Erklärungsnot bringen.

Parteiausschlüsse

2017 landete etwa nach einem Grillfest der blauen Jugendorganisation RFJ der Schädel des Spanferkels vor der Tür eines türkischen Vereins. Ein Oberländer Funktionär wurde von der Partei ausgeschlossen, weil er Adolf Hitler auf Facebook zum Geburtstag gratulierte. Ausschluss hieß es zuletzt auch für ein Mitglied des Parteivorstands, das in seinem Betrieb eine Erinnerungstafel an den Anschluss von Österreich an Hitler-Deutschland hängen hatte.

"Ich habe immer schnell reagiert", sagt der FPÖ-Chef zu derartigen Fällen und glaubt nicht, dass die einer Koalition mit der ÖVP im Weg stehen würden. Die geht am 27. Jänner als letzte Partei in den Wahlkampf. Die anderen Listen starten im Stakkato in den Tagen zuvor. Gewählt wird am 25. Februar.