Tirol-Image in der Noroviren-Falle

© Bild: /Channel 4

Britische C-Promis von "The Jump" sollen bei Dreh in Innsbruck erkrankt sein. Touristiker widersprechen der Darstellung und orten Rufmord

Eigentlich ist das TV-Format des Senders Channel 4 ein gefundenes Fressen für die Touristiker von Innsbruck und Umgebung. Zum vierten Mal wird die Reality-Show "The Jump" im Kühtai in der Nähe der Landeshauptstadt gedreht. Die erste Sendung der neuen Staffel verbuchte am vergangenen Sonntag gleich einen Quotenrekord.

2,3 Millionen Briten wollten sehen, wie sich C-Promis durch verschiedene Wintersportdisziplinen kämpfen müssen. Und wie die schlechtesten TV-Sternchen sich mit dem Sprung über eine Skischanze vor dem Aus bewahren können. Was zunächst nach perfekter Werbung für Tirol klingt, wurde in den vergangenen Tagen ein regelrechtes PR-Desaster.

Angefangen von der Sun bis zum Mirror stürzten sich die britische Boulevardblätter auf eine angebliche Noro-viren-Erkrankung, die elf der vierzehn "Stars" erwischt haben soll. Wurde anfänglich geschrieben, dass die Infektion ihren Ausgang in der Küche des noblen Innsbrucker Hotels nahm, in dem die Teilnehmer wohnen, gipfelten die Berichte darin, dass die ganze Stadt von der Krankheit heimgesucht worden sei.

Mario Gerber, Fachgruppenobmann der Tiroler Hotellerie, zeigt sich schockiert über diese Schlagzeilen: "Diese Berichte stimmen nicht. Das grenzt an Rufmord." Gerber sollte es wissen. Dein seine Familie betreibt mehrere Hotels im Kühtai, wo das riesige Set für "The Jump" aufgebaut ist und von wo aus die Live-Einschaltungen übertragen werden.

Tatsächlich ist im Gesundheitsamt der Stadt Innsbruck keine Häufung von Noroviren-Fällen, die bei Betroffenen für explosionsartigen Durchfall und Erbrechen sorgen würden, bekannt. "Es gibt keine große Welle. Und außerdem müsste erst einmal nachgewiesen werden, dass es sich tatsächlich um dieses Virus handelt", heißt es auf KURIER-Anfrage.

Royaler Krankheitsfall

Den Show-Teilnehmern könnte nun eine Kopfwäsche blühen. Die Berichte stützen sich nämlich auf die Aussage einer Reihe von Promis. Dazu zählen etwa die royalen Ergüsse von Emma Parker Bowles, ihres Zeichens die Nichte von Camilla – der Frau des britischen Thronfolgers Prinz Charles. Das ehemalige Society-Girl meinte, dass es zuerst ihr Baby und dann sie erwischt habe.

"Wir haben uns mit dem Team der Show umgehend in Verbindung gesetzt. Sie haben uns gesagt, dass es bei ihnen keine Krankheitsfälle gab und uns versichert, dass sie gegenüber den britischen Medien eine Erklärung dazu abgeben wollen", sagt Karin Sailer-Lall, Direktorin des Innsbrucker Tourismusverbands. Auch im Hotel der zweifelhaften Promis seien keine Krankheitsfälle gemeldet worden.

Für Tirols Touristiker ist die Angelegenheit höchst unangenehm. "Das ist eine Katastrophe. Ich finde das einen Wahnsinn", sagt Hotelier Gerber. Immerhin ist Großbritannien ein wichtiger Markt für den Tiroler Wintertourismus. Und die Show sollte das Geschäft eigentlich fördern, nicht schädigen. Die Touristiker unterstützen den TV-Kanal mit einer Reihe von Sachleistungen.

Wie groß der PR-Schaden ist, wird laut Sailer-Lall vor allem davon abhängen, "wie präsent diese Geschichte in den britischen Medien bleibt". Die begleiten das TV-Format, das laut Gerber eine Art englisches "Dschungelcamp" ist, nur zu gerne.

Ähnlich dem deutschen Format funktioniert auch bei "The Jump" die Aufregungsspirale, die wechselseitig von Fernsehsender und Printmedien befeuert wird: C-Promis machen sich lächerlich. Und jeder vermeintliche Skandal bringt Aufmerksamkeit.

Knochenbrecher-Format mit Quote

The Jump Britische Celebritys müssen bei "The Jump" in Wintersportarten wie Skeleton, Bobfahren oder Ski-Riesenslalom gegeneinander antreten. Die schlechtesten werden jede Woche über eine Ski-Sprungschanze geschickt, um das Show-Aus zu verhindern.

TV-Hit Die Show des Channel 4 hat mit der ersten Sendung dieser Staffel den bisherigen Rekord geknackt. 2,3 Millionen Zuschauer waren vor den Schirmen. Im Vorjahr sorgte die Sendung mit einer Reihe von zum Teil schweren Verletzungen für Schlagzeilen.

( kurier.at ) Erstellt am 08.02.2017