Chronik | Österreich
18.03.2016

Terror-Prozesse am Fließband: "Warum geht man nach Syrien? Um zu kämpfen"

Das Urteil für verwundeten Kämpfer ist rechtskräftig, Grazer Verfahren fortgesetzt. Schüler wird erneut angeklagt.

Mit 16 Jahren meldete sich der Wiener Oliver N. in Syrien zum Kämpfen. Wenn ihn eine Bombe trifft, dann komme er ins Paradies, ließ er sich vom "Islamischen Staat" (IS) einreden.

Dann traf ihn tatsächlich eine Bombe. Er verlor seine Milz, eine Niere, Teile eines Lungenflügels, der Darm war zerfetzt. Oliver N. wurde zusammengeflickt, kehrte nach Österreich zurück und gab sich geläutert.

Das Gericht kaufte ihm das – verteidigt von Wolfgang Blaschitz – nur teilweise ab und verurteilte ihn im Sommer des Vorjahrs wegen Beteiligung an einer terroristischen Vereinigung zu zweieinhalb Jahren Haft.

Am Freitag wurde das Urteil vom Oberlandesgericht Wien bestätigt. Oliver N. wollte weniger, der Staatsanwalt mehr Strafe. Das habe sich gegenseitig aufgewogen, befand der Berufungssenat. Blaschitz ist aber guter Hoffnung, den 17-Jährigen noch heuer auf Bewährung vorzeitig aus dem Gefängnis zu bekommen. Im Juni hat er die halbe Strafe abgesessen.

Verletzter Heimkehrer

Auch der 23-jährige Sevket ist Syrien-Heimkehrer, auch er wurde verletzt, laut Staatsanwalt im Kampf für eine IS-Miliz. Im Hilfseinsatz für die Freie Syrische Armee, behauptet der Angeklagte: Der vierte Grazer Dschihadistenprozess dreht sich um ihn und seinen Bruder, 17. Den habe der 23-Jährige laut Anklage ebenfalls zum IS schicken wollen.

Wie in den anderen drei Verfahren hat das Gericht seine Not mit den Zeugen. Der Kassier eines Moscheevereins widerspricht als Zeuge dem, was er vor mehr als einem Jahr als Beschuldigter ausgesagt hatte. Nun will er nur noch wissen, dass der 23-Jährige in Syrien war einst sprach er von "Kampfhandlungen" und schilderte, Sevket "hat eine Verletzung aus dem Krieg".

Aber was mache das für einen Unterschied, fragt er. "Warum geht man nach Syrien? Um zu kämpfen." Dass in seinem Verein für die Waffe des Angeklagten gesammelt worden sein soll, will der Kassier nicht gewusst haben. Vom IS-Logo auf der Facebook-Seite seines Vereines ebenfalls nichts. Der Prozess wird am Montag fortgesetzt.

Auf ein bekanntes Gesicht trifft das Gericht am 28. April in St. Pölten: Ein Schüler, der erst im vergangenen Jahr zu zwei Jahren teilbedingter Haft verurteilt wurde, weil er den Wiener Westbahnhof sprengen wollte, steht erneut vor dem Kadi.

Trotz Bewährungshilfe und Unterstützung durch die Schule soll der mutmaßliche IS-Fan wieder rückfällig geworden sein. Laut Staatsanwaltschaft soll der 15-Jährige versucht haben, drei Personen für die Terror-Miliz zu begeistern. Mit einem wollte er sogar selbst nach Syrien reisen.

Der Verfassungsschutz, der den Burschen auch nach seiner Entlassung unter Beobachtung hatte, konnte diese Pläne zerschlagen und ihn in der Wohnung der Mutter festnehmen. Nun wird sich der junge Mann auf ein härteres Urteil einstellen müssen, weil die bedingte Strafnachsicht widerrufen werden könnte. Dem Jung-Dschihadisten drohen bis zu fünf Jahre Gefängnis.