NEOS-Vorsitzender Matthias Strolz hat Respekt vor den „Wachstumsschmerzen“ seiner Partei.

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Interview
10/15/2014

Strolz: Kärnten als "Prüfstein" für NEOS

NEOS-Vorsitzender Matthias Strolz über Ziele und die schwierige Kandidatensuche.

von Thomas Martinz

Zwölf Wahlen stehen den Shootingstars der NEOS im kommenden Jahr bevor, darunter die Wirtschaftskammerwahl, bei der sie unter dem Namen UNOS (Unternehmerisches Österreich) antreten werden. Zum richtungsweisenden Urnengang soll am 1. März 2015 die Gemeinderatswahl in Kärnten werden, wie NEOS-Parteivorsitzender Matthias Strolz am Mittwoch im Rahmen der Eröffnung der Parteizentrale "Neosphäre" in Klagenfurt im KURIER-Interview bekannt gab.

Politologe Peter Filzmaier sagte nach dem Erfolg der NEOS bei der Gemeinderatswahl 2014 in Salzburg (In der Stadt erhielt die Bewegung 12,4 Prozent der Wählerstimmen), dass die Sehnsucht nach Neuem so groß sei, dass die NEOS gar nichts falsch machen könnten. Würden Sie das unterschreiben?

Matthias Strolz: Das ist ein Topfen, das habe ich ihm auch gesagt. Wenn du in der Politik sechs Tage lang Fehler machst, bis du am siebenten Tag politisch tot. Seit dem Jahr 1945 hat es mehr als 1000 Partei-Neugründungen gegeben und von den kleinen ist keine ähnlich erfolgreich wie wir.

Im Jahr 2015 stehen für Sie sehr wichtige Wahlen auf dem Programm. Sehen Sie die Gemeinderatswahl am 1. März in Kärnten als richtungsweisenden Urnengang für die NEOS?

Kärnten wird ein echter Prüfstein, ja. Ich erwarte mir von diesen Wahlen ein wichtiges Signal für unsere Zukunft und für die weiteren Ziele. Kärnten kann mehr, ich sehe das Land als Hoffnungsgebiet, weil wir alte Strukturen aufbrechen können.

Ursprünglich haben die NEOS angekündigt, in der Hälfte der 132 Kärntner Gemeinden antreten zu wollen, jetzt finden Sie keine Kandidaten und werden nur in den größeren Städten präsent sein.

Qualität vor Quantität. Wir werden in Klagenfurt, Villach, Feldkirchen, Spittal, Wolfsberg und in 25 anderen wichtigen Gemeinden antreten. Es melden sich sehr viele Leute, die mitarbeiten und mitgestalten wollen, aber als Kandidaten wollen sie sich nicht an vorderster Front aufstellen lassen, oder wir wollen es nicht, weil sie Abtrünnige anderer Parteien sind. Für Klagenfurt beispielsweise suchen wir noch eine Kandidatin.

Weiters fällt auf, dass sie keine prominenten Namen vorweisen können.

Ja ich gebe zu, es wäre hilfreich, wenn wir in Kärnten mit Prominenten punkten könnten. Aber einerseits hat Frank Stronach bewiesen, dass das der falsche Weg ist und andererseits sind wir sozusagen eine promi-feindliche Partei. Promis wollen Fixtickets, wir sind aber eine Bürgerbewegung mit offenen Vorwahlen. Das tun sich Prominente ungern an.

Die NEOS sind schnell gewachsen. Haben Sie Angst, dass der tiefe Fall ebenso schnell vonstatten gehen könnte?

Wir haben Respekt vor den Wachstumsschmerzen, weil du nie weißt, wo und wann sie auftauchen. Wir sind von zwei Leuten auf 11.500 aktive Mitglieder gewachsen. Da musst du dir alle zwei Monate die Kleider vom Leib reißen, weil sie dir nicht mehr passen. Du musst dich permanent neu erfinden. Und du brauchst viel Kraft, die kannst du dir nicht im Baumarkt kaufen.

Verglichen mit menschlichen Entwicklungsschritten. Wo stehen die NEOS derzeit?

Wir sind manchmal wie ein pubertierendes Kind. Oft stoßen wir am Abend mit einem kleinen Bier an und sagen: heute haben wir etwas bewegt. Dann starren wir an die Decke und denken: was tun wir eigentlich? Sagen wir: wir sind am Erwachsenwerden. Aber wir sind eine ernst zu nehmende Bewegung, keine Eintagsfliege.

In Klagenfurt geht Klaus-Jürgen Jandl in die Bürgermeisterwahl. Welche Chancen hat er und werden Sie sich aktiv in den Wahlkampf einbringen?

Klagenfurt ist eine spezielle Konstellation, die uns große Chancen bietet. Hier steht ein Generationswechsel bevor und wir werden mit Kompetenz und Erneuerung punkten. Ich werde die Bewegung unterstützen, wenn man mich braucht. Aber die Freunde stehen unter Eigenverantwortung, müssen auch das Geld für den Wahlkampf alleine aufstellen.

Sie sagen, Sie wollen mit all diesen Wahlsiegen bundesweit den Druck auf SPÖ und ÖVP erhöhen. Welches heiße Eisen wollen Sie aufgreifen?

Von 200 NEOS-Anträgen im Hohen Haus wurden vier durchgebracht. So schlecht können unsere Ideen ja gar nicht sein. Sitzfleisch ist der größte Muskel von ÖVP und SPÖ, den werden wir stimulieren. Wir haben Rekordarbeitslosigkeit, annähernd Null-Wachstum und benötigen eine Steuerreform mit 1. Jänner 2015. Die Bundesländer und die Bundesregierung gehören an einen Tisch, damit wir die fehlenden Milliarden finden – etwa über die Streichung von Förderungen für die Länder. Da ist auch der Vorsitzende der Landeshauptleutekonferenz, Peter Kaiser, gefragt. Jedes Bundesland soll seinen Beitrag leisten.

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