Die Bande trat mit einheitlichen Kapuzenpullovern auf. So auch am 23. Juli bei der Attacke auf Spieler des israelischen Vereins Maccabi Haifa

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Salzburg/Pongau
12/19/2014

"Streetgang" zerschlagen: Zehn Männer in Haft

Bande hatte Drogenkartell zum Vorbild. Zu den Mitgliedern gehören auch die Platzstürmer von Bischofshofen.

von Christian Willim

Es war eine groß angelegte Aktion, der monatelange Ermittlungen vorangingen: 16 Polizeiteams schlugen am Freitag um 5 Uhr in der Früh zeitgleich mit 120 Beamten im Pinzgau und Pongau zu. Dabei wurden zehn Mitglieder einer Bande festgenommen, in der die Ermittler eine "kriminelle Vereinigung" sehen. Insgesamt werden der Gruppe drei Dutzend Delikte vorgeworfen, von Sachbeschädigung über Drohung bis hin zu regelrechten Gewaltexzessen.

"Das hatte fast Streetgang-mäßige Züge", sagt Marcus Neher, Sprecher der Staatsanwaltschaft Salzburg. Die Gruppe nannte sich selbst "La Familia" – ein Name, der von einem mexikanischen Drogenkartell entlehnt wurde. Die Mitglieder traten im Raum St. Johann mit schwarzen Kapuzenpullis auf, die mit gekreuzten Säbeln und den Schriftzügen "La Familia" und "Wir bleiben Ghetto" beschriftet waren.

Laufendes Verfahren

Im Juli hat die Bande österreichweite Aufmerksamkeit erlangt. Sie stürmte in Bischofshofen bei dem Fußballspiel-Freundschaftsspiel von Maccabi Haifa gegen OSC Lille den Platz und attackierte israelische Spieler. Gegen zwei der Mitglieder von "La Familia" läuft deshalb bereits ein Strafverfahren. Einer der beiden habe sich nach dem kolumbianischen Drogenbaron "Escobar" genannt. Er soll am 6. November auch bei der bislang brutalsten Attacke der Bande dabei gewesen sein. Ein Kontrahent wurde dabei mit einem Schlagring verprügelt. "Das Opfer hat eine Trommelfellplatzung und schwere Gesichtsverletzungen erlitten", sagt Neher. Bei den Verdächtigen handelt es sich durchwegs um junge Männer im Alter zwischen 18 und 20 Jahren, die einen migrantischen Hintergrund haben, aber durchwegs im Pongau aufgewachsen sind und laut Polizei Dialekt sprechen. Neher sieht keinen "ethnischen Hintergrund", wie er sagt. Vielmehr hätte sich eine Gruppe gebildet, der Männer unterschiedlichster Nationen-Herkunft angehörten. "Das selbe gilt auch für die Opfer." Trotz der Anlehnung an ein Drogenkartell, gibt es laut Polizei keine Hinweise, dass es sich bei den Burschen um Suchtgifthändler handelt.

"Es ging ihnen offenbar eher um den Angst und Schrecken, den eine solche Organisation verbreitet", vermutet der Sprecher der Anklagebehörde. Wenn ein Mitglied von "La Familia" ein Problem mit jemanden hatte, sei der bedroht und verprügelt worden.

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