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Chronik Österreich
09/19/2012

Stradivari-Experte in Handschellen

Ein Geigenhändler veruntreute antike Instrumente. Andere soll er falsch bewertet haben, obwohl sie nur "Krempel" waren.

Der einst weltberühmte Instrumentenhändler und Schlossbesitzer Professor Dietmar Harry Joachim Machold mit Filialen in Wien, Bremen und Zürich schätzt seine "gigantischen" Schulden auf "sagen wir: 50 Millionen Euro". Er bezeichnet sich immer noch als "Experte für alte Geigen".

Darunter auch echte Stradivari wie etwa eine "Cremona" aus dem Jahr 1727 für 1,7 Millionen Euro, die er veruntreut hat. Oder solche, die er zu Stradivari gemacht hat, um mehr herauszuschlagen. Dabei stammte das für diese angeblich fünf Millionen Euro "schwere" Geige (mit einem tatsächlichen Wert von bloß 3000 Euro) verwendete Holz nicht aus Italien, sondern von Bäumen aus dem Bayrischen Wald, die erst Jahrzehnte nach Antonio Giacomo Stradivaris Tod geschlägert wurden.

Dazu passt eine Geschichte, die Staatsanwalt Herbert Harammer am Mittwoch im Wiener "Landl" zum Prozessauftakt zum Besten gab: Ein mitangeklagter Musiker verkaufte mithilfe von Machold, der ein falsches Wertgutachten erstellt habe, ein angeblich aus der Hand des Instrumentenbauers Ferdinando Alberti stammendes Cello für 230.000 Euro an einen Italiener. "Man kann den Krempel für 1000 bis 1500 Euro auf Ebay erwerben", sagt der Staatsanwalt und verweist auf ein Gutachten.

U-Häftling Machold redet sich nun darauf aus, dass er kein Echtheitszertifikat, sondern bloß ein Wertgutachten erstellt habe. Das sei ein gewaltiger Unterschied. Das Wertgutachten sei für einen Verkauf nichts wert. Und irgendwo auf der Welt werde man schon jemanden finden können, der 230.000 Euro dafür ausgeben wolle.

Im Übrigen habe der Gutachter, der das Cello nun abwertet, einst bei ihm in der Werkstatt gearbeitet. Man kenne den Namen dieses Herrn außerhalb Österreichs nicht, "mich – in aller Bescheidenheit – schon".

 

In der Not

Zu den Veruntreuungen ist der 62-Jährige geständig. Unter anderem verbrachte er die in Kommission übernommenen Instrumente wie eine Geige von Camilli Mantua aus dem Jahr 1740 ins Ausland und verkaufte sie dort, um seine Schulden zu tilgen. Er sei nach "Verlegung meines Lebensmittelpunktes ins Kaiserreich der Musik" finanziell in eine "schauderhafte Situation" geraten: "In meiner Not habe ich auf diese Instrumente zurückgegriffen. Ich hatte sonst nichts mehr in der Hand."

Das ist freilich nur die halbe Wahrheit: Weil ihm seine um 27 Jahre jüngere Ex-Frau (vergeblich) beim Versuch geholfen haben soll, sein Schloss Eichbüchl (Wert: 480.000 Euro) in Katzelsdorf, NÖ, dem Zugriff der Gläubiger zu entziehen, sitzt sie nun auch auf der Anklagebank. Gemeinsam mit ihrer Mutter, die Macholds Kamera- und Uhrensammlungen auf ihrem Dachboden versteckt haben soll.

Der Prozess wird fortgesetzt.

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