Chronik | Österreich
23.09.2017

Stoff für Kontroversen: Burka-Verbot polarisiert die Österreicher

Islamische Glaubensgemeinschaft befürchtet "Heroisierung" der Verhüllten

Das Verhüllungsverbot, das ab 1. Oktober in Österreich gilt, stößt auf geteilte Meinungen. Am Hannovermarkt in Wien-Brigittenau treffen Menschen vieler Ethnien aufeinander. Das Verbot und die 150 Euro Strafandrohung sorgen hier für Kontroversen. Zwischen türkischen Fleischhauern, einem tschetschenischen Lebensmittelgeschäft und einem Gemüsestand, an dem ein arabisch aussehender älterer Herr Salat verkauft, sind die alteingesessenen Wiener in "Renates Beisl" ganz unterschiedlicher Ansicht: "Wenn die sich nicht anpassen wollen, sollens draußen bleiben", erklärt ein Pensionist am Stammtisch. Ein anderer schreit ihm entgegen: "Ja, dann bleib du auch gleich draußen". Die Diskussion, die unter den Gästen ausgebrochen ist, ist auch noch auf der Straße zu hören.

Von den kopftuchtragenden Muslimas, die an den Marktständen einkaufen, will sich keine äußern. "Burkaverbot? Nein, tut mir leid", entgegnet eine Dame mit Hidschab. Rasch wird klar, dass jeder eine Meinung hat. Mit Foto in die Zeitung kommen wollen jedoch nur die wenigsten.

"Erst den Koran lesen"

Ein Mann wird auf die KURIER-Umfrage aufmerksam und will ebenfalls seine Meinung loswerden: "Wer ein Verbot will, sollte erst einmal den Koran lesen."

Carla Amina Baghajati, Frauenbeauftragte der Islamischen Glaubensgemeinschaft (IGGÖ), sieht im Verbot auch die Gefahr der "Heroisierung": "Das kann zu Tendenzen führen, dass Frauen, die den Gesichtsschleier trotzdem tragen, heroisiert werden."

Sie hege keine keinerlei Sympathie für den Gesichtsschleier, das neue Gesetz sei aber "Symbolpolitik". Die Ankündigung der Polizei, das Verbot sehr umsichtig umzusetzen, begrüßt sie.

Auch im Internet wurde bereits auf das Verbot reagiert. Mit Augenzwinkern: Das "Traditionelle Wiener Vermummungsfest" am 1. Oktober wird so angekündigt: "Tradition und Brauchtum ist richtig und wichtig. Es handelt sich dabei um eine künstlerische, kulturelle und traditionelle Veranstaltung nach dem Anti-Gesichtsverhüllungsgesetz."

Jeder soll tun, was er will

Maria-Louise Leeb, 48:„Ich bin auf jeden Fall gegen das Burka-Verbot. Jeder soll machen dürfen, was er will. Wie man sich anzieht, geht die Politik nichts an. Warum sollen die Muslimas den Schleier nicht tragen dürfen?“

Heinrich Wobornik, 52: „Ich will den Leuten ins Gesicht schauen können. Das hat einfach mit Höflichkeit zu tun. Insofern bin ich dafür. Wie das Verbot exekutiert wird, ist die andere Frage. Ich glaube nicht, dass sich die Frauen daran halten werden.“

Miriam Kucuck, 79:„Die Leute sollen sich anpassen. Wenn ich in ein fremdes Land komme, muss ich mich an die Gesetze halten und an die Kultur anpassen. Deswegen bin ich einverstanden mit dem Burka-Verbot.“