Chronik | Österreich
04.11.2017

Stiwoll: SOKO "Friedrich" sucht nach 66-Jährigem

Nach den Schüssen auf Nachbarn in der Steiermark setzt die Polizeitaktik nun weniger Gelände- als auf Ermittlungsfahndung.

Die Landespolizeidirektion Steiermark hat nach den tödlichen Schüssen auf Nachbarn in Stiwoll am Samstag die Sonderkommission "Friedrich", benannt nach dem Verdächtigen, zusammengestellt. Bisher waren bis zu 400 Beamte im Einsatz, es wurde rund 100 Hinweisen nachgegangen, doch der Mann blieb verschollen. "Wir suchen einen bewaffneten Straftäter, nicht einen Vermissten", so BK-Direktor Franz Lang.

In der SOKO "Friedrich", die unter der Leitung von Rene Kornberger vom Landeskriminalamt Steiermark steht, arbeiten unter anderem das Bundeskriminalamt ( BK) sowie die Direktion für Spezialeinheiten und der Landesverfassungsdienst mit. Laut Landespolizeidirektor Gerald Ortner werden "eine örtliche, überörtliche sowie österreichische und internationale Fahndung" beibehalten, jedoch werde die Strategie nun Lang zufolge von einer "Geländefahndung in eine Ermittlungsfahndung übergeführt".

Sucheinsatz am Stadtrand von Graz ohne Resultat

Eine Suchaktion nach dem mutmaßlichen Todesschützen ist Freitagnachmittag am Stadtrand von Graz ergebnislos beendet worden. Nach einem Hinweis aus der Bevölkerung wurde der Wald am Plabutsch abgesucht. Am späten Nachmittag waren die meisten Kräfte wieder abgezogen.

Dem Hinweis einer Frau zufolge soll ein verdächtiger Mann mit Rucksack vor der Volksschule von Thal bei Graz gesehen worden sein, der sich dann in ein Waldstück begab. Daraufhin wurde die Suche aktiviert. Thal befindet sich rund sieben Kilometer östlich Stiwoll. Vom Grazer Stadtgebiet ist es durch den bewaldeten Höhenzug des Buchkogel-Plabutsch getrennt. Die Polizei richtete entlang der Thalerseestraße eine Postenkette ein. Gleichzeitig wurden mit Sturmgewehren bewaffnete Beamte vom Bereich der Aussichtswarte des Fürstenstands am Plabutsch (754 Meter) in einer Suchkette talwärts durch den Wald Richtung Thalerseestraße geschickt. Auch Polizeihunde standen im Einsatz, ein Hubschrauber der Exekutive überflog den Höhenzug mehrmals.

Erstes Begräbnis am Samstag

Am Samstag um 15.00 Uhr wird eines der Opfer des mutmaßlichen Todesschützen, ein 64-jähriger Nachbar des Mannes, am Friedhof von Stiwoll zu Grabe getragen. Das zweite Opfer, eine 55-Jährige Frau, soll am Dienstag beerdigt werden. In beiden Fällen war gebeten worden, von Blumengestecken oder Kränzen abzusehen und stattdessen an die Pfarrkirche Stiwoll bzw. für die örtliche Feuerwehr bzw. für den Musikverein zu spenden.