Chronik | Österreich
18.04.2017

Steirischer Landesrat tritt nach Plagiatsaffäre zurück

ÖVP-Politiker Christian Buchmann geht jetzt doch. Vor zwei Wochen nahm ihm die Uni Graz den Dr.-Titel weg. ÖVP-Klubobfrau Eibinger-Miedl folgt ihm nach.

Nach langem Beharren gibt Christian Buchmann jetzt doch auf: Der steirische ÖVP-Politiker gab heute, Dienstag, Vormittag seinen Rücktritt als Landesrat bekannt. Er werde sein Amt am 25. April zurücklegen, so Buchmann.

Er ist über seinen aberkannten Dr.-Titel gestolpert: Anfang des Monats hat die Uni Graz Buchmanns Promotion aberkannt, nachdem mehrere Gutachten zum Schluss kamen, dass dabei abgeschrieben worden sei (der KURIER berichtete). Buchmann und seine ÖVP mauerten zunächst, wollten von einem Rücktritt nichts wissen. Sein Amt als Mitglied der Landesregierung habe ja nichts mit seiner 17 Jahre alten Dissertation und einer "Schlamperei" zu tun, verteidigte er sich selbst. Die ÖVP-Granden von Landeshauptmann Hermann Schützenhöfer abwärts pflichteten bei und gingen teilweise zur Schuldumkehr über.

Der Grazer Bürgermeister Siegfried Nagl machte gar „bezahlte Kopfgeldjäger“ und „anonyme politische Heckenschützen“ verantwortlich, dass Buchmanns Dissertation aus dem Jahr 2000 jetzt auf Fehler überprüft wurde.

In den vergangenen Tagen wurden jedoch auch innerhalb der ÖVP Stimmen lauter, die von Buchmann abkehrten. So weigerte sich etwa ein hochrangiger Wirtschaftskammer-Vertreter, ein „Solidaritätsschreiben“ für Buchmann zu unterzeichnen. Heute zog der 54-Jährige nun die Konsequenzen: „Ich musste in den letzten Tagen zu Kenntnis nehmen, dass ein Fehler vor 17 Jahren schwerer wiegt als Leistungen in der Gegenwart und Ideen für die Zukunft“, begründete Buchmann seinen Rücktritt.

Als Nachfolgerin wurde die 37-jährige Barbara Eibinger-Miedl von der steirischen ÖVP bestimmt. Die bisherige Klubobfrau ist seit 2010 Abgeordnete im Landtag und war davor vier Jahre im Bundesrat aktiv. Für LH Hermann Schützenhöfer hat sie bisher schon "großartige Arbeit geleistet".

Eibinger-Miedl wird künftig für Wirtschaft, Tourismus und Europbeziehungen in der steirischen Landesregierung verantwortlich sein.