Der Steirer Johann Puck kann heuer nichts ernten

© /ELMAR GUBISCH AUSTRIA

Winterwetter
04/29/2016

Steirischer Apfel wird Mangelware

Österreichweit 50.000 Hektar Anbaufläche betroffen. Bis zu 250 Millionen Euro Schaden in der Landwirtschaft.

von Elisabeth Holzer, Roland Pittner

300.000 Kilogramm Äpfel erntet Johann Puck in einem normalen Jahr. Und heuer? "Heuer ist null. Wir wissen nicht, wie’s weitergeht."

Der Landwirt aus Rassach ist einer jener steirischen Obstbauern, die vom Wintereinbruch überrascht worden sind. "Zuerst war der Frost. Dann der Schneebruch mit den Hagelnetzen. Da bleibt nichts", seufzt Puck. "Es ist irr, in zwei Nächten ist eine Existenz bedroht."

8,5 Hektar hat sein Betrieb in der Weststeiermark. Nicht nur, dass der Frost sämtliche Früchte vernichtet hat: Ein Drittel der Bäume wurden zerstört, nachdem die als Frostschutz angespannten Hagelnetze unter der Schneelast brachen. Eine Last ist nun auch der finanzielle Schaden: Allein 100.000 Euro wegen des Ernteausfalles, weitere 150.000 Euro sind nötig, um die Kulturen wieder aufzubauen.

Vor allem die Steiermark, das Burgenland und Kärnten haben Frost und Schnee der vergangenen Nächte kalt erwischt. Täglich werden die Schadenssummen höher: "In Richtung 250 Millionen Euro" bewege sich das Ausmaß, hieß es gestern, Donnerstag, von der Hagelversicherung. 50.000 Hektar seien betroffen, das ist so viel, wie ganz Kärnten als Ackerland hat: Bei Obst, Wein, Kürbis, aber auch Spargel und Christbäumen gibt es massive Ausfälle.

Soldaten im Einsatz

Mittel aus dem Katastrophenfonds sind zugesagt, doch noch wird um das Wie gerungen: Für Schäden, die versicherbar sind, ist üblicherweise keine Bundeshilfe vorgesehen. Physische Hilfe kam aber gestern schon vom Bundesheer: 36 Soldaten waren abkommandiert, um bei Aufräumen in schwer beschädigten Betrieben der Oststeiermark mitzuarbeiten.

Gerade die steirischen Obstbauern sind am stärksten betroffen: Sämtliches Steinobst ist kaputt, ebenso ein Großteil der Beeren. 80 Prozent der Apfelernte dürfte hinüber sein.

Das betrifft dann Kunden in Österreich und den Export: 80 Prozent der landesweiten Apfelproduktion stammt aus der Steiermark. Der steirische Apfel wird damit spätestens 2017 Mangelware, befürchtet Rupert Gsöls, Obmann der Obstbauern. "Für heuer haben wir noch eingelagerte Äpfel. Das Problem für die Konsumenten wird eher das Jahr 2017." Der Konsument werde verstehen müssen, dass es "dann kaum heimische Produkte geben wird".

Schwere Schäden gibt es auch im Burgenland. Am Familienbetrieb Nikles in Kukmirn, Bezirk Güssing, sind von den 40 Hektar Obstanlagen bei einigen Kulturen Totalausfälle zu beklagen. "Die Birne ist heuer zu 100 Prozent zerstört und auch beim Wein haben wir bis zu 90 Prozent Ausfälle", zählt Christian Nikles auf, der mit seinem Bruder Adolf den Betrieb führt. Bei den Äpfeln sei es je nach Höhenlage besser. In den Kesseln im Tal sei es viel kälter gewesen und somit seien auch die Ausfälle höher.

Keine Reserven

Ob sich der Frost auf den Preis auswirken wird, kann Familie Nikles nicht vorhersagen. "Dass der Preis drastisch steigen wird, glaube ich nicht", sagt Nikles. Aber einige Obstbauern werden sicher Probleme haben, den Betrieb weiterzuführen. "Viele haben keine Reserven mehr, weil der Preis in den vergangenen Jahren kaum kostendeckend war", befürchtet der Landwirt. Denn obwohl die Ernte mager ausfallen wird, müssen die Obstgärten gepflegt werden. "Die Kosten sind nahezu gleich, als ob voll geerntet wird." Eine Frostversicherung sei für die Bauern zu teuer, glaubt Nikles.

Der regionale Ab-Hof-Verkauf sei für seinen Betrieb aber zum Teil gesichert. Bei solchen Ereignissen "merkt man wie abhängig man von der Natur ist", überlegt Nikles.

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