Chronik | Österreich
09.06.2017

Steigende Kunstpreise locken auch Diebe und Fälscher an

Kulturgutbericht 2016: Zwei spektakuläre Fälscher-Fälle von heimischen Behörden geklärt.

175 Kunstdiebstähle verzeichnete das Bundeskriminalamt im Vorjahr. Die meisten davon passierten in Wien. Begehrtestes Diebesgut sind Bilder. Die Zahl der Anzeigen ist stabil geblieben – doch die Form der Kriminalität ist zum Großteil organisiert. Auch deshalb, weil der Wert von Kunstwerken in den vergangenen Jahrzehnten rasant zugenommen hat.

Weitere Picassos

Der aufsehenerregendste Fall, den die Kulturgutfahnder im Vorjahr bearbeitet haben, ist allerdings kein klassischer Diebstahl – es war die Sicherstellung von 80 gefälschten Gemälden. Die österreichisch-slowenische Tätergruppe wollte angebliche Bilder von Pablo Picasso, Emil Nolde oder Edvard Munch verkaufen – und wurde bei einem Scheinkauf in Schwechat geschnappt. Im Laufe der Ermittlungen tauchen immer weitere Fälschungen auf – die Ermittler sprechen von rund 100 Stück. Von ihnen gibt es derzeit aber nur Unterlagen und gefälschte Expertisen. Die Bilder tauchen Stück für Stück im Ausland auf. Der Gerichtsprozess gegen die Männer findet aktuell in Korneuburg statt.

Was mit den gefälschten Bildern passiert, ist noch unklar.

Staudacher-Fälschungen

Auch ein zweiter Fälscherfall wurde geklärt: Zwei Halbbrüder sollen 22 Fälschungen des Kärntner Malers Hans Staudacher unters Volk gebracht haben; auch sie verantworten sich aktuell vor Gericht. Die Sache kam ins Rollen, als ein Käufer sein Gemälde im Lentos Museum in Linz begutachten ließ, wo die Fälschung erkannt wurde.

Die meisten Kunstdiebstähle passierten in Wohnungen und Häuser sowie Kirchen. Aber auch im Kunsthandel und im Rahmen von Kunstmessen kommt es immer wieder zu Diebstählen.

Österreich beteiligte sich auch an der internationalen Operation "Pandora" gegen illegalen Kunsthandel. 1700 Fahrzeuge und 420 Kunstgegenstände wurden dabei überprüft.