Chronik | Österreich
01.06.2017

Verurteilungen in Österreich rückläufig, zu 85 Prozent sind es Männer

Insgesamt wurden 27.916 Personen rechtskräftig verurteilt, die meisten Vergehen betrafen "Handlungen gegen fremdes Vermögen".

Insgesamt 27.916 Personen sind im Vorjahr in Österreich rechtskräftig verurteilt worden. Über 85 Prozent waren Männer, sie wurden beinahe sechsmal so oft verurteilt wie Frauen, deren Anteil 14,6 Prozent ausmacht. Im Vergleich zu 2015 gab es sowohl bei den verurteilten Personen als auch bei den Verteilungen gesamt einen Rückgang von je mehr als fünf Prozent, so die Zahlen der Statistik Austria.

30.450 Verurteilungen gab es 2016 in Österreich - wegen insgesamt 47.645 Vergehen oder Verbrechen. Den größten Anteil machten mit 33,8 Prozent strafbare Handlungen gegen fremdes Vermögen aus, gefolgt von strafbaren Handlungen gegen Leib und Leben mit 17,7 Prozent, Suchtmitteldelikten mit 15,4 Prozent und Delikten gegen die Freiheit mit acht Prozent. Zwei Prozent der Verurteilungen betrafen Eingriffe in die sexuelle Integrität und Selbstbestimmung.

Zum Tatzeitpunkt volljährig waren im Vorjahr 94 Prozent der verurteilten Personen. Von ihnen waren rund elf Prozent junge Erwachsene im Alter zwischen 18 und 21 Jahren. Sechs Prozent der rechtskräftig Verurteilten waren zum Tatzeitpunkt unter 18 Jahre alt. Der Anteil der österreichischen Staatsangehörigen lag bei 58,7 Prozent.

Bei beinahe zwei Drittel aller Verurteilungen wurde im Jahr 2016 eine Freiheitsstrafe verhängt. 19,8 Prozent aller Sanktionen waren unbedingte
Freiheitsstrafen. Acht Mal wurde lebenslang verkündet. Etwas mehr als ein Drittel machten bedingte Freiheitsstrafen aus.

Jugendliche

Auch bei den Verurteilungen von Jugendlichen überwogen die bedingten Freiheitsstrafen. Rund jeder zehnte unter 18-Jährige erhielt einen Schuldspruch unter Vorbehalt der Strafe (sie erhielten Auflagen bzw. Weisungen, wenn diese eingehalten werden, wird die Strafe nicht vollzogen, Anm.), 0,8 Prozent der strafmündigen Minderjährigen im Alter zwischen 14 und 18 Jahren wurden ohne Strafe verurteilt.

Die Gesamtzahl der Verurteilungen ging 2016 im Vergleich zum Vorjahr um 5,2 Prozent zurück. Mit diesem neuen Tiefstand setzt sich der Verlauf des Rückgangs rechtskräftiger Verurteilungen der letzten Jahre fort, berichtete die Statistik Austria. Die meisten Verurteilungen wurden im Oberlandesgerichtssprengel (OLG-Sprengel) Wien mit 42,8 Prozent ausgesprochen, gefolgt von den OLG-Sprengeln Linz mit 22,4 Prozent, Graz mit 21,1 Prozent und Innsbruck mit 13,7 Prozent.

Die Statistik veröffentlichte auch eine Wiederverurteilungsstatistik. Die insgesamt 30.422 im Jahr 2012 verurteilten Personen wurden über vier Jahre hinweg hinsichtlich neuer Verurteilungen beobachtet. Zwei Drittel blieben straffrei, während ein Drittel innerhalb dieser vier Jahre wiederverurteilt wurde. Wenn es dazu kam, dann relativ zeitnah. Gut zwei Drittel aller wiederverurteilten Personen wurden innerhalb der ersten beiden Beobachtungsjahre rechtskräftig wiederverurteilt. Allerdings war bereits ein Fünftel der im Jahr 2012 verurteilten Personen bereits vorbestraft.