Chronik | Österreich
11.02.2017

Rakhat Aliyev: SPÖ-Justizsprecher fordert Mord-Ermittlungen

Aliyev wurde erhängt in seiner Zelle aufgefunden © Bild: KURIER/Franz Gruber

Erhängt in Zelle: Kommende Woche soll Gutachten klären, ob es Suizid war. Abgeordneter ortet "Schlamperei".

Kommende Woche soll aus der Schweiz endlich das Ergänzungsgutachten zur Todesursache des am 24. Februar 2015 tot in seiner Einzelzelle aufgefundenen Rakhat Aliyev in Wien eintreffen. Was auch immer es enthalten wird: SPÖ-Justizsprecher Hannes Jarolim fordert die umgehende Einleitung von Ermittlungen in Richtung Mord. Die bisher bekannt gewordenen Unregelmäßigkeiten seien "in ihrer Dichte kaum zu fassen."

Den letzten Anstoß gab die Sache mit dem gebrochenen Brustbein des kasachischen Ex-Botschafters. Das war in der Rechtsmedizin in St. Gallen bei einer computertomographischen Untersuchung der Leiche im März 2015 aufgefallen. Im Obduktionsprotokoll der vorangegangenen Leichenöffnung in Wien wurde das Brustbein jedoch als intakt beschrieben. Jarolim: "Eine Schlamperei."

Fremde Hand

Der Bruch des Brustbeins beim Ansatz der zweiten Rippe kann bei der Obduktion entstanden sein. Er passt aber auch zu der vom bekannten deutschen Gerichtsmediziner Bernd Brinkmann angenommenen Tötung durch fremde Hand. Laut dem Gutachter, der einem von der Justiz diagnostizierten Suizid des Kasachen widerspricht, wurde Aliyev mittels Kompression des Brustkorbs bei gleichzeitigem Verschluss von Mund und Nase ("Burking") umgebracht.

Die Mordthese wird durch das Zusammentreffen einiger Personen in der Justizanstalt Wien-Josefstadt genährt: Zur selben Zeit wie Aliyev saß dort der Ex-Generaldirektor der russischen Finanzierungsgesellschaft, Nail Malyutin, in Auslieferungshaft. Er hatte illegale Geschäfte des ehemaligen russischen Energieministers aufgedeckt, woraufhin er wegen Betruges und Mordanstiftung verfolgt wurde. Malyutin fürchtete auch in Haft um sein Leben. Umso mehr, als er erfuhr, dass der mutmaßliche russische Auftragskiller Aslan G., genannt Tschako, eine Nachbarzelle bezogen hatte.

Der Abgeordete zum Nationalrat, Hannes Jarolim (SPOe), kommt am Dienstag (22.05.12) im Parlament in Wien zum Korruptions-Untersu… © Bild: dapd/Hans Punz
Hannes Jarolim, Nationalratsabgeordneter und Rechtsanwalt, konnte Malyutins Furcht nachvollziehen und engagierte sich für ihn. Er ersuchte im Justizministerium, darauf zu achten, dass die beiden russischen Häftlinge in verschiedenen Stockwerken untergebracht werden. Noch dazu, wo Jarolim zu Ohren gekommen war, dass Malyutin bereits "Besuch" von Aslan G. in seiner Zelle erhalten hatte.

Kurze Zeit später wurde bekannt, dass man Aliyev erhängt in seiner Zelle aufgefunden hatte. Todesursache ungewiss.

Aslan G. wurde inzwischen freigelassen, weil die befristete Auslieferungshaft abgelaufen war. Und Malyutin wurde allen Bedenken zum Trotz nach Russland ausgeliefert. Die der österreichischen Justiz von dort zugesicherten Garantien auf faire Behandlung werden schwer zu kontrollieren sein.