Chronik | Österreich
12.12.2017

Spital soll Krankheit zu spät erkannt haben

Einst sportliche junge Steirerin sitzt nun im Rollstuhl und ist ein Pflegefall.

Marija hatte Schmerzen. In den Knöcheln, in den Fingern. Sie verlor Gewicht, sehr viel Gewicht. "Die Ärzte haben gefragt, ob ich magersüchtig bin. Bei der Meinung sind sie geblieben: Die ist magersüchtig", erinnert sich die 22-Jährige. "Das ärgert mich am meisten. Auch als junger Mensch kann man schwer krank sein. Man will ernst genommen werden."

Marija P. war im Frühjahr 2013 gerade 18, als Lupus Erythematodes bei ihr ausbrach, eine Autoimmunkrankheit. Ein halbes Jahr lang sei die Krankheit zuvor im LKH Graz jedoch mangels entsprechender Untersuchungen nicht erkannt worden, bedauert Rechtsanwältin Karin Prutsch. Wertvolle Zeit sei verstrichen.

Das sieht auch ein Sachverständiger so. "Es besteht eine überwiegende Wahrscheinlichkeit, dass bei hochdosierter Medikation im Herbst 2012 die Grunderkrankung im Frühjahr nicht aufgeflammt wäre", betont er in seiner Expertise im Verfahren mit der Spitalsholding. "Mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit wäre die Grunderkrankung in deutlich abgedämpfter Form aufgetreten."

Geld eingeklagt

Marija würde in dem Fall nicht wie jetzt querschnittgelähmt im Rollstuhl sitzen. Sie wäre kein Pflegefall geworden: Ihr Mann Thomas kümmert sich um die 22-Jährige, vom Anziehen bis zum zweimaligen Umlagern in der Nacht im Bett, damit sich Marija nicht wund liegt. Doch trotz Gutachtens zog sich die Krankenanstaltengesellschaft (KAGES) aus dem außergerichtlichen Schlichtungsverfahren zurück, Anwältin Prutsch bleibt nur noch der Klagsweg. Es geht um 130.000 Euro insgesamt, Schadenersatz und Schmerzengeld. Der Kommentar der KAGES fällt knapp aus: "In diesem Fall ist eine Klärung auf dem Rechtsweg ganz offensichtlich mehr im Sinn aller beteiligten Parteien."

Marija hat Fotos dabei. "Vorher" und "Nachher"-Bilder: "Vorher" zeigt eine fröhliche junge, sportliche Frau, die gerade die 4. Klasse der Handelsakadamie besucht. "Nachher": Marija im Rollstuhl. "Am Anfang war’s wirklich schwer. Ich war nur daheim und hab’ geweint", erinnert sie sich. "Jetzt geht’s mir eigentlich wieder besser. Aber jeder Tag wird von der Krankheit bestimmt."